Frankfurt baut das neue Städel
Museen müssen sich kontinuierlich entwickeln, ihre Sammlungen mit der Gegenwart Schritt halten. Johann Friedrich Städel, der im Jahr 1815 seine Kunstsammlung und sein Vermögen den Bürgern der Stadt Frankfurt gestiftet hat, legte in seinem Testament fest, dass diese Sammlung „von Jahr zu Jahr vermehrt […] und vervollkommnet“ werden soll. Dieser Aufgabe hat das Städel bis heute Rechnung getragen. Insgesamt umfasst die Sammlung derzeit rund 2.800 Gemälde, 600 Skulpturen und über 100.000 Zeichnungen und Druckgraphiken. Mit seinem reichen Bestand präsentiert das Städel einen Überblick über 700 Jahre europäischer Kunstgeschichte – vom späten Mittelalter bis in die Gegenwart. Dennoch besteht insbesondere im Bereich des 20. und 21. Jahrhunderts Bedarf, die Bestände zu erweitern.
Die Sammlung des Städel ist seit 1878 in dem von Oskar Sommer errichteten Gebäude am Schaumainkai untergebracht. Seitdem wurde das Museum mehrfach ausgebaut, renoviert und modernisiert. Heute sind erneut räumliche und funktionale Grenzen erreicht. Um den Anforderungen einer adäquaten Präsentation, des erhöhten Besucheraufkommens und der zusätzlichen Aufgaben eines modernen Museums-
betriebs gerecht zu werden, errichtet das Städel Museum einen Erweiterungsbau für die Präsentation der Kunst nach 1945.
Kunst nach 1945 im Städel Museum
Der Sammlungsbereich der Kunst nach 1945 umfasst zahlreiche bedeutende Werke von deutschen und internationalen Künstlern. Dennoch gilt es Lücken zu schließen. In diesem Zusammenhang war 2008 ein besonderes Jahr für das Städel Museum: Es ist gelungen, den Bestand der Kunst nach 1945 um rund 850 Werke zu erweitern. Die Deutsche Bank überließ dem Städel 600 Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier aus ihrer Sammlung. Aus der DZ BANK Sammlung wurden über 200 Werke zeitgenössischer Fotografie an das Städel übergeben. Vertreten sind viele prominente Künstler wie Georg Baselitz, Joseph Beuys, Andreas Gursky, Anselm Kiefer, Markus Lüpertz, Sigmar Polke, Dieter Roth, Cindy Sherman, Günther Uecker und Andy Warhol. Zudem ergänzen Ankäufe des Städelkomitees 21. Jahrhundert/Städelscher Museums-Verein sowie Schenkungen aus Privatsammlungen und Erwerbungen mit Mitteln verschiedener Stiftungen die Sammlung mit wichtigen Werken von Künstlern wie John Armleder, Thomas Bayrle, Peter Roehr, Wolfgang Tillmans, Victor Vasarely oder Corinne Wasmuht.
Wettbewerb
Das Städel hat im Herbst 2007 einen Wettbewerb zur Erweiterung des Museums ausgelobt, zu dem acht angesehene deutsche und internationale Architektenbüros eingeladen wurden. Eine internationale Jury kürte im Februar 2008 den Entwurf der Frankfurter Architekten schneider+schumacher zum Sieger. „Ein Glücksfall“, schrieb die Presse anlässlich der Präsentation. „Ein leuchtendes Juwel am Tag, ein Lichtteppich in der Nacht“, lobte die Wettbewerbsjury.
Architektur

Nachtansicht des Erweiterungsbaus (Animation)
Der Neubau wird sich an den Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenen Gartenflügel, den ersten Erweiterungsbau des 1878 am Schaumainkai fertig gestellten Museumsgebäudes, anschließen. Im Gegensatz zu den bisherigen Erweiterungen wird der neue Museumsanbau nicht oberirdisch realisiert werden, vielmehr platzieren schneider+schumacher die großzügige neue Museumshalle unter den Städel-Garten. Das Gebäude wird über eine zentrale Achse vom Haupteingang auf der Mainseite erschlossen. Durch das Öffnen der beiden Bogenfelder rechts und links der Treppe im Hauptfoyer wird der Besucher auf das Niveau des Alten Foyers gelangen. Von hier aus wird eine Treppe in die unter dem Garten gelegenen 3.000 Quadratmeter großen Hallen des Erweiterungsbaus führen. Kreisrunde Oberlichter mit einem Durchmesser von 1,5 bis 2,5 Metern werden die Gartenhallen mit natürlichem Licht versorgen und sich als einprägsames Muster über die Gartenfläche ausbreiten. Die begehbare Aufwölbung der Deckenschale wird mit Rasen bepflanzt und von außen als fester Bestandteil der Topographie des Gartens wahrgenommen. „Frankfurt erhält nicht nur ein besonderes, ein einzigartiges neues Ausstellungsgebäude“, befand die Wettbewerbsjury, „sondern darüber hinaus eines, das als ‚green building‘ auf der Höhe seiner Zeit ist.“

Innenansicht des Erweiterungsbaus (Animation)
Im Zuge der Bauarbeiten anlässlich der Erweiterung des Städel werden außerdem vorhandene Mängel im Main- und Gartenflügel beseitigt. Das gesamte Haus wird barrierefrei erschlossen, zusätzliche Fluchttreppen und -wege werden eingerichtet und weitere Brandschutzmaßnahmen getroffen.
Finanzierung
Die Kosten für den Erweiterungsbau der Architekten schneider+schumacher werden rund 30 Millionen Euro betragen. Für die Sanierung des Altbaus sind weitere zehn Millionen Euro veranschlagt. Die Zusage der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, den Neubau mit einer Summe von sieben Millionen Euro zu unterstützen, legte im September 2007 den finanziellen Grundstein. Das Frankfurter Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. und die Familie Metzler gaben im September 2008 bekannt, das Städel Museum bei der Realisierung des Erweiterungsbaus mit einer Spende von drei Millionen Euro zu unterstützen.
Die Finanzierung konnte auch im Jahr 2009 maßgeblich vorangetrieben werden. Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft beteiligte sich 2009 mit einem Betrag von 250.000 Euro. Darüber hinaus stellte sie in Aussicht, diese Förderung auch in den folgenden drei Jahren fortzusetzen. Außerdem unterstützte die PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (PwC) das Städel mit 500.000 Euro. Auch die Beteiligung der Fazit-Stiftung Gemeinnützige Verlagsgesellschaft mbH am Erweiterungsbau mit einer Summe von 250.000 Euro zeugt von hohem gesellschaftlichem Engagement für die Region. Unterstützung erfährt das Erweiterungsprojekt auch von öffentlicher Hand. Die Stadt Frankfurt hat in ihrem Haushalt fünf Millionen Euro für den Erweiterungsbau vorgesehen sowie weitere acht Millionen Euro für die Sanierung des Altbaus. Aus den Mitteln des Konjunkturpakets des Bundes kommen, wie seit Februar 2009 bekannt, weitere fünf Millionen Euro. Im Juni 2009 verlautbarte außerdem die Stadt Eschborn, sich in diesem Jahr mit zwei Millionen Euro an der Finanzierung zu beteiligen. Weitere zwei Millionen Euro sind für 2010 Jahr vorgesehen. Damit ist Eschborn die erste Kommune aus der Region, die ein deutliches Zeichen für die Städel-Erweiterung gesetzt hat.
Bis zum Spatenstich im September 2009 konnten durch Spenden und Förderungen rund 80 Prozent der Finanzierung gesichert werden. Anfang 2010 verlautbarte das Land Hessen, die Städel-Erweiterung mit einer Million Euro zu unterstützen. Darüber hinaus engagiert sich der Städelsche Museums-Verein tatkräftig für das neue Städel. Eine große Spendenkampagne trägt zur weiteren Finanzierung des Erweiterungsprojekts bei.
Spendenkampagne
Mit der groß angelegten Spendenkampagne „Frankfurt baut das neue Städel. Bauen Sie mit“, die im September 2009 gestartet wurde, möchten wir alle Bürgerinnen und Bürger ansprechen. Jede einzelne Spende – auch eine kleine – ist ein wichtiger Beitrag zum neuen Städel. Zahlreiche Partner aus Wirtschaft, Gesellschaft, Medien, Sport und Kultur beteiligen sich mit Projekten zugunsten der Städel-Erweiterung. Frankfurt baut, backt, kickt, singt, tanzt, zockt, trinkt, fährt, läuft und malt das neue Städel. Der gelbe Gummistiefel ist das Markenzeichen der Spendenaktion. Mit dem Kauf des Benefiz-Stiefels leisten Unterstützer nicht nur einen finanziellen Beitrag, vielmehr können Stiefelträger so auch ein deutliches Zeichen für ihr Engagement setzen.
Zentrale Informationsplattform ist der Blog www.das-neue-staedel.de. Hier gibt es neben der Möglichkeit zur Online-Spende aktuelle Berichte und Videos zu Aktionen und Veranstaltungen, Informationen über die zeitgenössische Kunst im neuen Städel, Details zur Architektur und Blicke hinter die Kulissen des Museumsbetriebs. Der Blog wird unterstützt von der Aventis Foundation.
Im Rahmen der Spendenkampagne konnten bis Mitte Januar 2010 über 700.000 Euro für die Realisierung des Erweiterungsbaus gesammelt werden. Insgesamt haben sich bisher über 2.000 Förderer für das Projekt engagiert. Zahlreiche Partner unterstützen die Kampagne mit ungewöhnlichen Aktionen, wie etwa die Eintracht Frankfurt mit einem Eintracht-Spieltag im Zeichen der Städel-Erweiterung oder die Schillerschule mit dem Projekt „1.000 Bilder für das Städel“. Auch der Verkauf der Benefiz-Produkte, wie dem von der Heinrich Deichmann-Schuhe GmbH & Co. KG produzierten gelben Gummistiefel, trägt zur Finanzierung bei. Mit verschiedenen Veranstaltungen sammeln Bürgerinnen und Bürger Spenden für das neue Städel. So wurde bei Informationsabenden rund um das Erweiterungsprojekt, Hauskonzerten, Golfturnieren und privaten Geburtstags-, Jubiläums- und Einweihungsfeiern satt Geschenken um eine Spende zugunsten des Städel gebeten. Viele private Spenden erreichen das Städel von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt und der Region ebenso wie aus ganz Deutschland. Im Zuge der Spendenkampagne kamen dem Städel weitere Firmen-, Vereins- und Privatspenden zugute. Mit einer Spende von 200.000 Euro unterstützen Dr. Jochen und Brigitte Hückmann und die Gesellschafter der Merz Gruppe den Städel-Erweiterungsbau. Die Vereinigung Japanischer Unternehmen in Frankfurt e. V. unterstützt das Städel Museum bei der Realisierung des geplanten Erweiterungsbaus mit einer Spende von 30.000 Euro.
Mit der Spendenkampagne führen wir somit auch gemeinsam die vom Stifter Johann Friedrich Städel begründete Tradition des bürgerlichen Engagements am Städel Museum fort und setzen ein sichtbares Zeichen für die Zukunft.







