Frankfurt baut das neue Städel



Tagansicht des Erweiterungsbaus (Animation)

Tagansicht des Erweiterungsbaus (Animation)


Museen müssen sich kontinuierlich entwickeln, ihre Sammlungen mit der Gegenwart Schritt halten. Johann Friedrich Städel, der im Jahr 1815 seine Kunstsammlung und sein Vermögen den Bürgern der Stadt Frankfurt gestiftet hat, legte in seinem Testament fest, dass diese Sammlung „von Jahr zu Jahr vermehrt […] und vervollkommnet“ werden soll. Dieser Aufgabe hat das Städel bis heute Rechnung getragen. Insgesamt umfasst die Sammlung derzeit rund 2.900 Gemälde, 600 Skulpturen, rund 500 Fotografien und über 100.000 Zeichnungen und Druckgraphiken. Mit seinem reichen Bestand präsentiert das Städel einen Überblick über 700 Jahre europäischer Kunstgeschichte – vom späten Mittelalter bis in die Gegenwart. Dennoch besteht insbesondere im Bereich des 20. und 21. Jahrhunderts Bedarf, die Bestände zu erweitern.


Die Sammlung des Städel ist seit 1878 in dem von Oskar Sommer errichteten Gebäude am Schaumainkai untergebracht. Seitdem wurde das Museum mehrfach ausgebaut, renoviert und modernisiert. Heute sind erneut räumliche und funktionale Grenzen erreicht. Um den Anforderungen einer adäquaten Präsentation, des erhöhten Besucheraufkommens und der zusätzlichen Aufgaben eines modernen Museumsbetriebs gerecht zu werden, errichtet das Städel Museum einen Erweiterungsbau für die Präsentation der Gegenwartskunst.




Gegenwartskunst im Städel Museum

Der Sammlungsbereich der Gegenwartskunst umfasst zahlreiche bedeutende Werke von deutschen und internationalen Künstlern. Dennoch gilt es Lücken zu schließen. In diesem Zusammenhang war 2008 ein besonderes Jahr für das Städel Museum: Es ist gelungen, den Bestand der Gegenwartskunst um rund 850 Werke zu erweitern. Die Deutsche Bank überließ dem Städel 600 Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier aus ihrer Sammlung. Aus der DZ BANK Sammlung wurden über 200 Werke zeitgenössischer Fotografie an das Städel übergeben. Vertreten sind viele prominente Künstler wie Georg Baselitz, Joseph Beuys, Andreas Gursky, Anselm Kiefer, Markus Lüpertz, Sigmar Polke, Dieter Roth, Cindy Sherman, Günther Uecker und Andy Warhol. Zudem ergänzen Ankäufe des Städelkomitees 21. Jahrhundert/Städelscher Museums-Verein sowie Schenkungen aus Privatsammlungen und Erwerbungen mit Mitteln verschiedener Stiftungen die Sammlung mit wichtigen Werken von Künstlern wie John Armleder, Thomas Bayrle, Peter Roehr, Wolfgang Tillmans, Victor Vasarely oder Corinne Wasmuht.




Wettbewerb

Das Städel hat im Herbst 2007 einen Wettbewerb zur Erweiterung des Museums ausgelobt, zu dem acht angesehene deutsche und internationale Architektenbüros eingeladen wurden. Eine internationale Jury kürte im Februar 2008 den Entwurf der Frankfurter Architekten schneider+schumacher zum Sieger. „Ein Glücksfall“, schrieb die Presse anlässlich der Präsentation. „Ein leuchtendes Juwel am Tag, ein Lichtteppich in der Nacht“, lobte die Wettbewerbsjury.




Architektur



Nachtansicht (Animation), © schneider+schumacher Architekturgesellschaft mbH, Frankfurt am Main

Nachtansicht des Erweiterungsbaus (Animation)


Der Neubau wird sich an den Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenen Gartenflügel, den ersten Erweiterungsbau des 1878 am Schaumainkai fertig gestellten Museumsgebäudes, anschließen. Im Gegensatz zu den bisherigen Erweiterungen wird der neue Museumsanbau nicht oberirdisch realisiert werden, vielmehr platzieren schneider+schumacher die großzügige neue Museumshalle unter den Städel-Garten. Das Gebäude wird über eine zentrale Achse vom Haupteingang auf der Mainseite erschlossen. Durch das Öffnen der beiden Bogenfelder rechts und links der Treppe im Hauptfoyer wird der Besucher auf das Niveau des Alten Foyers gelangen. Von hier aus wird eine Treppe in die unter dem Garten gelegenen 3.000 Quadratmeter großen Hallen des Erweiterungsbaus führen. Kreisrunde Oberlichter mit einem Durchmesser von 1,5 bis 2,5 Metern werden die Gartenhallen mit natürlichem Licht versorgen und sich als einprägsames Muster über die Gartenfläche ausbreiten. Die begehbare Aufwölbung der Deckenschale wird mit Rasen bepflanzt und von außen als fester Bestandteil der Topographie des Gartens wahrgenommen. „Frankfurt erhält nicht nur ein besonderes, ein einzigartiges neues Ausstellungsgebäude“, befand die Wettbewerbsjury, „sondern darüber hinaus eines, das als ‚green building‘ auf der Höhe seiner Zeit ist.“


Innenansicht (Animation), © schneider+schumacher Architekturgesellschaft mbH, Frankfurt am Main

Innenansicht des Erweiterungsbaus (Animation)


Im Zuge der Bauarbeiten anlässlich der Erweiterung des Städel werden außerdem vorhandene Mängel im Main- und Gartenflügel beseitigt. Das gesamte Haus wird barrierefrei erschlossen, zusätzliche Fluchttreppen und -wege werden eingerichtet und weitere Brandschutzmaßnahmen getroffen.




Finanzierung

Die Kosten für den Erweiterungsbau der Architekten schneider+schumacher werden rund 31 Millionen Euro betragen. Für die Sanierung des Altbaus sind weitere 14 Millionen Euro veranschlagt. Die Zusage der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, den Neubau mit einer Summe von sieben Millionen Euro zu unterstützen, legte im September 2007 den finanziellen Grundstein. Das Frankfurter Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. und die Familie Metzler gaben im September 2008 bekannt, das Städel Museum bei der Realisierung des Erweiterungsbaus mit einer Spende von drei Millionen Euro zu unterstützen.


Die Finanzierung konnte auch im Jahr 2009 maßgeblich vorangetrieben werden. Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft beteiligte sich 2009 mit einem Betrag von 250.000 Euro. Darüber hinaus stellte sie in Aussicht, diese Förderung auch in den folgenden drei Jahren fortzusetzen. Außerdem unterstützte die PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (PwC) das Städel mit 500.000 Euro. Auch die Beteiligung der Fazit-Stiftung Gemeinnützige Verlagsgesellschaft mbH am Erweiterungsbau mit einer Summe von 250.000 Euro zeugt von hohem gesellschaftlichem Engagement für die Region. Unterstützung erfährt das Erweiterungsprojekt auch von öffentlicher Hand. Die Stadt Frankfurt hat in ihrem Haushalt fünf Millionen Euro für den Erweiterungsbau vorgesehen sowie weitere acht Millionen Euro für die Sanierung des Altbaus. Wie seit Februar 2009 bekannt, erhält das Städel Fördermittel in Höhe von fünf Millionen Euro aus dem Hessischen Sonderinvestitionsprogramm. Im Juni 2009 verlautbarte außerdem die Stadt Eschborn, sich in 2009 mit zwei Millionen Euro und mit weiteren zwei Millionen Euro in 2010  an der Finanzierung zu beteiligt. Damit ist Eschborn die erste Kommune aus der Region, die ein deutliches Zeichen für die Städel-Erweiterung gesetzt hat.

 Anfang 2010 verlautbarte das Land Hessen, die Städel-Erweiterung mit einer Million Euro zu unterstützen. Im Vorfeld des Richtfests im November 2010 sind zahlreiche weitere Förderbeträge für die Erweiterung hinzugekommen, darunter eine Spende der Royal Bank of Scotland sowie eine private Spende in Höhe von allein 500.000 Euro. Insgesamt ist die Finanzierung bislang zu über 92 Prozent gesichert (Stand April 2011). Darüber hinaus engagiert sich der Städelsche Museums-Verein tatkräftig für das neue Städel. Eine große Spendenkampagne trägt zur weiteren Finanzierung des Erweiterungsprojekts bei.
 


Spendenkampagne

Mit der groß angelegten Spendenkampagne „Frankfurt baut das neue Städel. Bauen Sie mit“, die im September 2009 gestartet wurde, möchten wir alle Bürgerinnen und Bürger ansprechen. Jede einzelne Spende – auch eine kleine – ist ein wichtiger Beitrag zum neuen Städel. Zahlreiche Partner aus Wirtschaft, Gesellschaft, Medien, Sport und Kultur beteiligen sich mit Projekten zugunsten der Städel-Erweiterung. Frankfurt baut, backt, kickt, singt, tanzt, zockt, trinkt, fährt, läuft und malt das neue Städel. Der gelbe Gummistiefel ist das Markenzeichen der Spendenaktion. Mit dem Kauf des Benefiz-Stiefels leisten Unterstützer nicht nur einen finanziellen Beitrag, vielmehr können Stiefelträger so auch ein deutliches Zeichen für ihr Engagement setzen.


Zentrale Informationsplattform ist der Blog www.das-neue-staedel.de. Hier gibt es neben der Möglichkeit zur Online-Spende aktuelle Berichte und Videos zu Aktionen und Veranstaltungen, Informationen über die zeitgenössische Kunst im neuen Städel, Details zur Architektur und Blicke hinter die Kulissen des Museumsbetriebs. Der Blog wird unterstützt von der Aventis Foundation.

Seit dem Start im September 2009 konnten bereits 61,5 Prozent (3,08 Millionen Euro) der angestrebten Summe von fünf Millionen Euro zur Gesamtfinanzierung beigetragen werden.

Bisher (Stand April 2011) gab es 2.100 direkte Geldspenden und 150 Benefiz-Jahresmitgliedschaften im Städel. Außerdem befinden sich 3600 Benefiz-Stiefel-Pins sowie 4800 gelbe Benefiz-Gummistiefel im Umlauf, deren Erlös ebenfalls der Erweiterung zugute kam. Zahlreiche Partner unterstützen die Kampagne mit ungewöhnlichen Aktionen, wie etwa die Eintracht Frankfurt mit einem Eintracht-Spieltag im Zeichen der Städel-Erweiterung oder die Schillerschule mit dem Projekt „1.000 Bilder für das Städel“. Auch der Verkauf der Benefiz-Produkte, wie dem von der Heinrich Deichmann-Schuhe GmbH & Co. KG produzierten gelben Gummistiefel, trägt zur Finanzierung bei. Mit verschiedenen Veranstaltungen sammeln Bürgerinnen und Bürger Spenden für das neue Städel. So wurde bei Informationsabenden rund um das Erweiterungsprojekt, Hauskonzerten, Golfturnieren und privaten Geburtstags-, Jubiläums- und Einweihungsfeiern satt Geschenken um eine Spende zugunsten des Städel gebeten. Viele private Spenden erreichen das Städel von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt und der Region ebenso wie aus ganz Deutschland. Die Berner Stiftung förderte das neue Städel 2010 mit dem Kauf von 1.000 Paar Benefizstiefeln. Die Stiftung leistete damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Städel-Erweiterungsprojekt, sondern unterstützte zugleich Kinder und Jugendliche: Die Berner Stiftung verschenkt die gelben Gummistiefel an Schülerinnen und Schüler der Frankfurter Förderschulen. Einen weiteren Höhepunkt der Spendenkampagne bildete der von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung initiierte Benefizabend mit einem Vortrag von MoMA-Direktor Glenn D. Lowry im Hotel Hessischer Hof. Während Dr. Michael Endres, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, bereits im Vorfeld die Verdoppelung der Spendensumme angekündigt hatte, verkündete Erivan Haub spontan am Abend, dass er seine generöse Spende von 100.000 Euro für das Städel um weitere 400.000 Euro aufstocken wird. Insgesamt brachte der Abend die beeindruckende Summe von 803.700 Euro ein. Ein weiterer Meilenstein der Kampagne war das große Benefiz-Konzert mit Diana Damrau, Andrea Marcon und Mitgliedern des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters am 9. Januar 2011 im Frankfurter Kaiserdom. Für Überraschung sorgte Hilmar Kopper, der den Erlös des aus einer Idee von Katherine Fürstenberg-Raettig entstandenen Projekts mit einer großzügigen Spende von 250.000 Euro auf insgesamt 502.270 Euro verdoppelte. Das breite Engagement aller am Projekt beteiligten – von den Künstlern, der Oper Frankfurt, dem Katholischen Dompfarramt St. Bartholomäus, der Stadt Frankfurt am Main, Frankfurt Ticket RheinMain GmbH, Škoda Auto Deutschland GmbH und vor allem eines jeden einzelnen Konzertbesuchers – machte die Benefizaktion zu einem weiteren herausragenden Beispiel für gelebtes Mäzenatentum im Rahmen der Städel-Erweiterung. Auch die jüngste Spenden-Aktion war ein voller Erfolg: Bei der Benefiz-Party „Schampus & Currywurst. Frankfurt rockt das neue Städel“ tanzten 440 Gäste im Schauspiel Frankfurt für das neue Städel, mehr als 10.000 Euro kamen über Eintritte und Getränke an diesem Abend zusammen.

Mit der Spendenkampagne führen wir somit auch gemeinsam die vom Stifter Johann Friedrich Städel begründete Tradition des bürgerlichen Engagements am Städel Museum fort und setzen ein sichtbares Zeichen für die Zukunft.