Podiumsgespräch mit Dierk Schmidt im Frankfurter Kunstverein
28.03.2011

DIERK SCHMIDT, „Ich weiß was... was Du nicht weißt... When opinion becomes an occasion for calculation”
Dierk Schmidt beobachtet aktuelle gesellschaftliche Prozesse und geht der Frage nach, wie Regierungen, multinationale Konzerne oder Medienkonglomerate ihr Image in der Öffentlichkeit steuern und dieses Image bewusst durch gezielte Bildpolitik produzieren. Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür ist der Zyklus „SIEV-X“ des Städels, der ein in den Medien weitgehend unkommuniziertes Schiffsunglück vor der australischen Küste der jüngeren Geschichte zum Thema macht.

Dierk Schmidt, Xenophobe- shipwreck scene, dedicated to the 353 drowned asylum seekers died on the indian ocean, on the morning of october 19, 2001-2002, Städel Museum, © VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Der Titel der Arbeit „SIEV-X“ steht für „Suspected Illegal Entry Vessel“ und wird von australischen Behörden für ein mutmaßlich illegal in die Hoheitsgewässer eindringendes Boot verwendet, der Zusatz „X“ bedeutet „unbekannt“. Im Jahr 2001 ging das indonesische Flüchtlingsschiff vor der australischen Küste unter; von den 397 Insassen überlebten 44. In den folgenden Jahren konnte nachgewiesen werden, dass dieses Schiffsunglück die Folge von Manipulationen und unterlassener Hilfeleistung seitens des australischen Staates war: „SIEV-X“ wurde zum Symbol einer im höchsten Maß unmenschlichen Flüchtlingspolitik, deren Hintergründe nur mühsam enthüllt werden konnten.

Dierk Schmidt, Untitled (Louvre) (Mittelstück Triptychon), 2001-2002, Städel Museum, © VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Schmidt widmet sich einem Ereignis, dessen mediale Vermittlung kontrolliert zurückgehalten wurde. Erst durch seine journalistischen Nachforschungen und künstlerische Umsetzung entsteht ein Abbild, das auch von der lückenhaften Berichterstattung erzählt. Als Malfolie der Bilder dient ihm schwarze Teichfolie, der eine immanente Bedeutung zu kommt. Denn wo Information fehlt, bleibt das Bild schwarz und die Personen gesichtslos. Jedes ausgeführte Detail dagegen ist wichtig und enthält wesentliche Informationen. Der Betrachter wird aufgefordert, zu recherchieren und selbst aktiv zu werden.
Dierk Schmidt wurde 1965 in Unna in Westfalen geboren. Er war in zahlreichen Gruppenausstellungen vertreten, auf der documenta 12 in Kassel, im Witte de With Center for Contemporary Art in Rotterdam und der 3. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst. Einzelausstellungen von Dierk Schmidt fanden unter anderem im Salzburger Kunstverein und in der Gesellschaft für aktuelle Kunst e. V. Bremen statt.
Unser Filmteam wird den Künstler bei seinem Besuch in Frankfurt begleiten. In der Videoreihe „Kunst nach 1945“ können Sie demnächst mehr über Dierk Schmidts künstlerische Position erfahren – ab Februar 2012 wird der SIEV-X Bildzyklus in der Sammlung der Gegenwartskunst im neuen Städel-Erweiterungsbau präsentiert.
Gudrun Herz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit




















