Podiumsgespräch mit Dierk Schmidt im Frankfurter Kunstverein

28.03.2011

Im Rahmen der Ausstellung „Dierk Schmidt: IMAGE LEAKS – Zur Bildpolitik der Ressource“ im Frankfurter Kunstverein spricht der bekannte Berliner Künstler Dierk Schmidt morgen, am Dienstag, 29. März, um 18.30 Uhr mit Städel-Kurator Dr. Martin Engler und Dr. Holger Kube Ventura, Direktor des Frankfurter Kunstvereins, über die Möglichkeiten zeitgenössischer Historienmalerei. Innerhalb der klassischen Gattung Historienmalerei, deren Tradition bis ins 15. Jahrhundert zurückgeht, definiert Dierk Schmidt neue Formen: Seine Bilder legen historische und politische Zusammenhänge und deren Medialisierung mit malerischen Mitteln offen. Eines der Hauptwerke von Dierk Schmidt, die 19-teilige Arbeit „SIEV-X – Zu einem Fall von verschärfter Flüchtlingspolitik“ von 2001/03, befindet sich in der Sammlung des Städel Museums. Das zentrale Triptychon des Bildzyklus ist momentan in der Ausstellung „Die Chronologie der Bilder. Städel-Werke vom 14. bis 21. Jahrhundert“ zu sehen.

DIERK SCHMIDT, „Ich weiß was... was Du nicht weißt... When opinion becomes an occasion for calculation”

Dierk Schmidt beobachtet aktuelle gesellschaftliche Prozesse und geht der Frage nach, wie Regierungen, multinationale Konzerne oder Medienkonglomerate ihr Image in der Öffentlichkeit steuern und dieses Image bewusst durch gezielte Bildpolitik produzieren. Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür ist der Zyklus „SIEV-X“ des Städels, der ein in den Medien weitgehend unkommuniziertes Schiffsunglück vor der australischen Küste der jüngeren Geschichte zum Thema macht.

Dierk Schmidt, Xenophobe- shipwreck scene, dedicated to the 353 drowned asylum seekers died on the indian ocean, on the morning of october 19, 2001-2002, Städel Museum, © VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Der Titel der Arbeit „SIEV-X“ steht für „Suspected Illegal Entry Vessel“ und wird von australischen Behörden für ein mutmaßlich illegal in die Hoheitsgewässer eindringendes Boot verwendet, der Zusatz „X“ bedeutet „unbekannt“. Im Jahr 2001 ging das indonesische Flüchtlingsschiff vor der australischen Küste unter; von den 397 Insassen überlebten 44. In den folgenden Jahren konnte nachgewiesen werden, dass dieses Schiffsunglück die Folge von Manipulationen und unterlassener Hilfeleistung seitens des australischen Staates war: „SIEV-X“ wurde zum Symbol einer im höchsten Maß unmenschlichen Flüchtlingspolitik, deren Hintergründe nur mühsam enthüllt werden konnten.

Dierk Schmidt, Untitled (Louvre) (Mittelstück Triptychon), 2001-2002, Städel Museum, © VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Schmidt widmet sich einem Ereignis, dessen mediale Vermittlung kontrolliert zurückgehalten wurde. Erst durch seine journalistischen Nachforschungen und künstlerische Umsetzung entsteht ein Abbild, das auch von der lückenhaften Berichterstattung erzählt. Als Malfolie der Bilder dient ihm schwarze Teichfolie, der eine immanente Bedeutung zu kommt. Denn wo Information fehlt, bleibt das Bild schwarz und die Personen gesichtslos. Jedes ausgeführte Detail dagegen ist wichtig und enthält wesentliche Informationen. Der Betrachter wird aufgefordert, zu recherchieren und selbst aktiv zu werden.

Dierk Schmidt, Freedom. 2001-200, Städel Museum, © VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Dierk Schmidt wurde 1965 in Unna in Westfalen geboren. Er war in zahlreichen Gruppenausstellungen vertreten, auf der documenta 12 in Kassel, im Witte de With Center for Contemporary Art in Rotterdam und der 3. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst. Einzelausstellungen von Dierk Schmidt fanden unter anderem im Salzburger Kunstverein und in der Gesellschaft für aktuelle Kunst e. V. Bremen statt.

Unser Filmteam wird den Künstler bei seinem Besuch in Frankfurt begleiten. In der Videoreihe „Kunst nach 1945“ können Sie demnächst mehr über Dierk Schmidts künstlerische Position erfahren – ab Februar 2012 wird der SIEV-X Bildzyklus in der Sammlung der Gegenwartskunst im neuen Städel-Erweiterungsbau präsentiert.

Gudrun Herz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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Städel-Meisterwerke begeistern Publikum auf der ganzen Welt

13.10.2010

Während der Umbauphase des Main- und Gartenflügels im Zuge der Museumserweiterung ergreift das Städel die Chance, Werke seiner Sammlung in Form von zwei Ausstellungstourneen einem breiten internationalen Publikum vorzustellen. Unter dem Titel „Meisterwerke des 19. und 20. Jahrhunderts aus der Sammlung des Städel Museums“ und „Das Goldene Zeitalter. Holländische und flämische Meisterwerke aus dem Städel Museum“ begeistern derzeit zahlreiche Meisterwerke der Städel-Sammlung ein Publikum auf der ganzen Welt.

Städel zu Gast im Guggenheim Museum Bilbao

Das von Frank O. Gehry entworfene Guggenheim Museum Bilbao

Das von Frank O. Gehry entworfene Guggenheim Museum Bilbao, © Guggenheim, Bilbao

Unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit wurde soeben im von Frank O. Gehry entworfenen Guggenheim Museum Bilbao die Ausstellung „La Edad de Oro de la pintura holandesa y flamenca del Städel Museum“ eröffnet. Die von Prof. Dr. Jochen Sander kuratierte Schau präsentiert bis zum 23. Januar 2011 rund 130 hochrangige Werke der holländischen und flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts – des so genannten „Goldenen Zeitalters“ – aus der Sammlung des Städel Museums. Dank der Qualität und Breite der Sammlung holländischer und flämischer Malerei des 17. Jahrhunderts zeigt die Ausstellung ein unverwechselbares Panorama der Kunst dieser Zeit, das den Ausstellungsbesuchern in Bilbao nicht nur das Städel bekannt macht, sondern zugleich eine der glanzvollsten Epochen der europäischen Kunst präsentiert. Unter http://www.guggenheim-bilbao.es/microsites/stadel_museum/index.php?idioma=es wurde eigens eine Microsite eingerichtet, die ausführliche Informationen, Videos und Abbildungen zur Ausstellung bietet. Nach Beendigung der Laufzeit in Bilbao reist die Ausstellung weiter nach Japan. Dort werden die Städel-Werke im Bunkamura Museum of Art in Tokyo (3. März bis 22. Mai 2011) sowie im Toyota Municipal Museum of Art in Aichi (Juni bis August 2011) zu sehen sein.

Über 200.000 Besucher sehen Städel-Meisterwerke in Melbourne

Goethe auf Reisen: Tischbeins Gemälde begeistert nicht nur in Frankfurt

Goethe auf Reisen: Tischbeins Gemälde begeistert nicht nur in Frankfurt

Die soeben in Australien zu Ende gegangenen Ausstellung „European Masters: Städel Museum, 19th – 20th Century” in der National Gallery of Victoria in Melbourne wurde von insgesamt 200.130 Besuchern enthusiastisch aufgenommen und war damit nicht nur „talk of the town“, sondern „talk of the continent“. Neben den Städel-Meisterwerken von Degas, Monet oder Renoir bewunderten die Bewohner der Millionenmetropole insbesondere auch die deutsche Kunst des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts mit Werken von Lessing, Klinger, Stuck, Corinth, Liebermann oder Beckmann. Sogar das Goethe Institut in Melbourne hat vorab Deutschkurse für die Kunstvermittler durchgeführt, damit sie die Namen der deutschen Künstler korrekt auszusprechen lernen. Ein eintägiges Symposium zu der Geschichte des Städel, der Sammlung und den Meisterwerken des 19. und 20 Jahrhunderts stieß auf großes Interesse – die Australier wissen nun vielleicht sogar mehr über Goethe, Städel und Swarzenski als der eine oder andere Frankfurter.

Die National Gallery of Victoria ganz im Zeichen des Städel Museums

Die National Gallery of Victoria ganz im Zeichen des Städel Museums

Vom 6. November bis 27. Februar 2011 ist die Ausstellungstournee „European Masters: Städel Museum, 19th – 20th Century” zu Gast im Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa in Wellington.

Axel Braun, Pressesprecher Städel Museum

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Armin Boehms „Untitled (Zhwar Kili)“ in der Videoreihe „Kunst nach 1945“

27.08.2010

Für unsere Videoreihe, in der wir regelmäßig Werke aus der Sammlung „Kunst nach 1945“ vorstellen, haben wir den Maler Armin Boehm befragt. Er spricht über sein Gemälde „Untitled (Zhwar Kili)“ aus dem Jahr 2007, seine Herangehensweise an Bildthemen, den Herstellungsprozess und die Bedeutung von Malerei als besondere Wahrnehmungsfläche.

Boehm setzt sich in seinem Werk mit dem Tafelbild zwischen Abstraktion und Figuration auseinander. Seine meist großformatigen Leinwandbilder, deren Grundlage Fotografien, Erinnerung und Zeichnung gleichermaßen sind, zeigen Landschaften und Orte mit besonderer Bedeutung. Dem Gemälde „Untitled (Zhwar Kili)“, das 2007 entstanden ist, liegt eine nächtliche Satellitenaufnahme eines Terroristenlagers in Afghanistan zugrunde. Für Boehm ist das ein Ort, der eine Bruchstelle markiert, an der der „Zivilisationsvertrag, den man mit der Realität hat“ nicht mehr gilt. Bei dem Schauplatz thematisiert er nicht die gewalttätigen Geschehnisse, sondern akzentuiert den Aspekt des Geheimnisvollen und Undurchschaubaren. Boehm reduziert das Farbspektrum, das in seinen früheren Arbeiten noch breit angelegt war, weitgehend auf gebrochene Farben und präzise angemischte Farbverläufe in Grautönen. Auf der in mehreren Schichten bearbeiteten Bildoberfläche sind einzelne Lichtpunkte über ein Liniennetz miteinander verbunden. In deren Lichtkegeln lassen sich bei näherer Betrachtung geometrische Formen ausmachen, Hinweise auf Gebäude des Camps, die auf geheimnisvolle Weise miteinander in Verbindung zu stehen scheinen. „Malerei“, so Boehm, „ist in der Lage, bestimmte Zwischenzustände, die man mit der Sprache nicht eindeutig benennen kann, einzufangen“.

Biografie

Armin Boehm wurde 1972 in Aachen geboren. Er studierte ab 1995 an der Staatlichen Kunstakademie Münster und bis 2001 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Konrad Klapheck. 1998 erhielt er ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes und 2001 ein Stipendium der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf für die „Cité Internationale des Arts“ in Paris. Armin Boehm lebt und arbeitet in Berlin.

Dorothea Apovnik, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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Abbau von Anselm Kiefers bleischwerer „Palette mit Flügeln“

17.08.2010

Nachdem bereits im September vergangenen Jahres Anselm Kiefers Werk „Heereszüge Alexanders des Großen“ in einer logistischen Meisterleistung vom Metzlersaal in unsere Gemäldedepots transportiert wurde, ist nun eine weitere Arbeit des Künstlers auf Grund der aktuell stattfindenden Baumaßnahmen im Städel-Altbau abgebaut worden: die „Palette mit Flügeln“.

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Über 300 Kilo wiegt die „Palette mit Flügeln“ von Anselm Kiefer. Die 1985 vom Künstler aus Blei, Stahl und Zinn gefertigte Arbeit war bis zuletzt in den großzügigen Räumen des Restaurants Holbein’s im Städel platziert. Dort wurde das Werk nun wegen Bauarbeiten im Altbau von einem fünfköpfige Spezialteam des Logistikunternehmens Schenker in enger Zusammenarbeit mit der Restaurierungsabteilung und dem Ausstellungsdienst des Städel fachgerecht abgebaut und sicher in die Museumsdepots transportiert. Neben dem Gewicht der Skulptur stellten vor allem der viereinhalb Meter hohe Sockel und die Spannweite der Flügel von sieben Metern die besonderen Herausforderungen beim Abbau dar.

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Zunächst wurde ein Spezialkran – geeignet für die begrenzte Raumsituation und stark genug für Kiefers Blei-Werk – über eine eigens errichtete Rampe auf das Bodenniveau des Sockels transportiert. Ausfahrbare Stützen sorgten für den richtigen Halt des Lastenkrans.

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Im nächsten Schritt wurden unter größter Vorsicht rechts und links der Palette Transportbänder um das Kunstwerk gelegt und an den Haken des ausgefahrenen Kranarmes befestigt.

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Behutsam wurden die Gurte unter Spannung gebracht und die „Palette mit Flügeln“ aus der Verankerung gehoben, um sie langsam nach unten abzulassen.

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Mit Gurten wurde das Werk zu beiden Seiten austariert, um ein Drehen in der Luft im Moment des freien Schwebens zu verhindern.

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Sicher auf Holzpaletten aufgelegt, wurden anschließend die Flügel von der Palette abmontiert, um so den weiteren Transport in die Städel-Depots der im Ganzen 2,5 m x 7m x 1,4 m großen Skulptur möglich zu machen.

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Bis zur großen Eröffnung des neuen Städel im Herbst 2011 wird die „Palette mit Flügeln“ dort zwischengelagert.

Anselm Kiefers „Palette mit Flügeln“ (1985)

Das Motiv der Palette führte Kiefer bereits in den 1970er-Jahren in seiner Malerei ein. Als geflügelte Palette behandelt er sie erstmals 1974 im Bild „Resumptio“, elf Jahre später ist sie das Thema dieser ersten Bleiskulptur. Das Motiv der ausgebreiteten Flügel erinnert an die Nike-Darstellungen des 19. Jahrhunderts, deren Ausführung von 1853 bis 1857 auf der ehemaligen Berliner Schloßbrücke Kiefer in sein Buch symboles héroïque aufnahm. Damit wäre das Motiv ein Hinweis auf die heilbringende Macht der Kunst, die jedoch durch das schwer lastende Gewicht der Bleiflügel und ihre lädierte Form eher vom Gegenteil zeugen.

Stephan Knobloch, Leiter der Werkstatt für Gemälderestaurierung

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Neues Werk von Leni Hoffmann: derzeit in Berlin und ab 2011 im Städel Museum zu sehen

15.06.2010

Während sich die Baugrube unseres Erweiterungsbaus stetig füllt, wird auch die darin in Zukunft beheimatete Sammlung zur „Kunst nach 1945“ im Städel Museum durch wichtige Neuankäufe ausgebaut und ergänzt. Der jüngste Neuzugang – eine Wandarbeit der Düsseldorfer Künstlerin Leni Hoffmann – ist zurzeit im Berliner Projektraum der Schering Stiftung zu besichtigen.

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Noch bis zum 28. August 2010 zeigt die Schering Stiftung in Kooperation mit dem Städel Museum die Ausstellung „Leni Hoffmann: a whiter shade of pale“. Eigens hierfür entwickelte die Düsseldorfer Künstlerin die ortsspezifische Arbeit sid, die von der Schering Stiftung erworben und im Rahmen der Ausstellungseröffnung am 27. Mai 2010 dem Städel Museum als Schenkung übergeben wurde.

Leni Hoffmanns Arbeit sid ist Malerei mit Materialien, die mit Malerei leidlich wenig gemein haben. Sie ist, wie eigentlich alle Arbeiten der Künstlerin, letztlich die Fortsetzung der Malerei mit anderen, ihr fremden Mitteln. Sid ist dabei bis an die Grenze des Erträglichen einfach und reduziert – fast banal. Zumindest auf den ersten Blick. Aber schnell entwickelt sich aus dieser scheinbaren Einfachheit ein komplexes, ja grandioses Kunstwerk.

Die Künstlerin zeichnet die Spuren der Schüttung zunächst mit Bleistift nach.

Die Künstlerin zeichnet die Spuren der Schüttung zunächst mit Bleistift nach.

Zuerst wird Wasser eimerweise, aber wohl komponiert und geplant an die Wand geschüttet: Diese Schüttung, die natürlich an David Hockneys Bigger Splash oder Jackson Pollocks Pop Art-Drippings erinnert, wird nachgezeichnet und die Wand mit Folie abgedeckt. Dann wird die Schüttung aus der Folie ausgeschnitten und das Ganze mit Putz verspachtelt. In einem letzten Arbeitsgang wird die verbleibende Folie mit dem überschüssigen Putz abgezogen. Was bleibt ist eine wunderbare Kippfigur: eine gestische Malerei mit einem Material, das sich einer solchen gestischen Handhabung normalerweise entzieht. Ein zum Bild gefrorener, eigentlich unmöglicher Moment, in dem die Wand und Putz zum Bild werden.

Der orange und grün changierende Kipplack.

Der orange und grün changierende Kipplack.


Bevor der Putz aufgetragen wird, sprüht Leni Hoffmann den Lack auf die Wand.

Bevor der Putz aufgetragen wird, sprüht Leni Hoffmann den Lack auf die Wand.


Detail der fertigen Arbeit nachdem in einem finalen Arbeitsschritt der Putz aufgetragen wurde.

Detail der fertigen Arbeit nachdem in einem finalen Arbeitsschritt der Putz aufgetragen wurde.

Dieses faszinierende Spiel aus Bewegung und Statik ruht auf einem massiven malerischen Kontrapost. Einem farbig schillernden Widerlager, das Malerei, ihre Dynamik und Veränderlichkeit in ganz anderer Weise formuliert. Ein zwischen orange und grün changierender Kipplack, die automobile Innovation von gestern, wird hier in wunderbarer Weise zweckentfremdet. Mit der Bewegung des Betrachters, der im Werk von Leni Hoffmann immer eine zentrale Rolle spielt, variiert der jeweilige Farbton. Somit erfindet sich sid im Prozess des Betrachtens ständig neu und jede eigene Standortnahme wird zur mitschöpfenden Farbbestimmung. Jeder Betrachter sieht von seinem Platz aus ein eigenes, anderes Bild.

In ihren konsequent raum- und ortsbezogene Arbeiten bringt Leni Hoffmann Grenzen der Gattungen zum Verschwinden und emanzipiert die Malerei: weg von der Leinwand, hin zum Realraum und zu allen Dingen des Alltags. Mit dieser intelligenten Weiterentwicklung des klassischen Tafelbilds fügt sich sid hervorragend in das Sammlungskonzept des Städel Museums, in dessen Erweiterungsbau die Arbeit 2011 in modifizierter Form und an prominenter Stelle neu ausgeführt werden wird.

Wer sich vorab schon einen Eindruck von Leni Hoffmanns atemberaubendem Werk machen will, sollte sich die Ausstellung „Leni Hoffmann: a whiter shade of pale“ in der Schering Stiftung  nicht entgehen lassen!

Biografie

Leni Hoffmann wurde 1962 in Bad Pyrmont geboren, heute lebt sie in Düsseldorf. Von 1982 bis 1987 studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg als Meisterschülerin von Georg Karl Pfahler und war 1993 als Stipendiatin an der University of New England. Als Gastprofessorin war Leni Hoffmann an der Ecole Nationale Beaux Art de Lyon (1996), an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg (1997), an der Städelschule in Frankfurt (1998-2000) sowie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (2001-2002). Nach Karlsruhe wurde die Künstlerin im Anschluss als ordentliche Professorin berufen. 2007 wurde sie mit den Gabriele-Münter-Preis ausgezeichnet.

Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Kunst nach 1945

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Hinter den Kulissen: Dr. Martin Engler berichtet von der Sotheby’s-Auktion für zeitgenössische Kunst in London am 10. Februar 2010

17.02.2010

Vergangene Woche besuchte Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter für Kunst nach 1945 im Städel Museum, die Sotheby’s-Auktion für zeitgenössische Kunst in London. Grund dafür war die Versteigerung von knapp 50 Werken der „Zero“-Bewegung aus der renommierten Sammlung Lenz Schönberg, die bei dieser Auktion unter den Hammer kamen. Bereits Anfang der 1970er-Jahre wurden vom damaligen Städel-Direktor Klaus Gallwitz wichtige Werke wie das Nagelbild Günther Ueckers, das Achrome Piero Manzonis, Rafael Jesús Soto „Vibration“ oder Lucio Fontanas „Concetto Spaziale“ aus dieser Sammlung für das Städel erworben. Martin Engler ist zwar angesichts der Rekordpreise, die die Werke erzielten, ohne Kunst, dafür aber mit einem interessanten Resumeé zurückgekehrt.

Günther Uecker, Organische Struktur, 1962, © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

In der Sammlung des Städel Museums: Günther Uecker, Organische Struktur, 1962, © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Die gute Nachricht zuerst: Die „Zero“-Sammlung des Städel Museums ist über Nacht – besser gesagt zwischen 18 und 20 Uhr des vergangenen Mittwochs – nicht unwesentlich im Wert gestiegen. Die weniger gute Nachricht: leider konnten wir keine neuen Werke für unsere Sammlung ersteigern. Schon zu behaupten, dass wir zu den „Unterbietern“ gehört hätten, wäre vermessen. Bei dieser Auktion nämlich wurden vollkommen neue Maßstäbe zur Bewertung wichtiger Zero-Künstler gesetzt. Insgesamt erzielten die knapp 50 Arbeiten aus der Sammlung des Ehepaares Anna und Gerhard Lenz, die früher im Kronberger Ortsteil Schönberg im Taunus gelebt haben, umgerechnet 26,2 Millionen Euro – und somit doppelt so viel wie erwartet. Vor allem der Endpreis von fast 940.000 Euro für ein Spitzenwerk von Günther Uecker versetzte das Parkett in Aufregung. Aber auch Otto Piene, Heinz Mack, Enrico Castellani, Jan Schoonhoven, Jesús Rafael Soto, selbst unbekanntere Zero-Künstler wie Christian Megert oder Herman De Vries erzielten Traum- und gelegentlich sogar Mondpreise.

Victor Vasarely (1906-1997), Fugue, 1958/60, © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Victor Vasarely, Fugue, 1958/60, © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Aber immerhin wurde einer der jüngsten Ankäufe des Städel Museums, der mit Hilfe des Städelkomitee 21. Jahrhundert getätigt wurde, durch diese außergewöhnliche Auktion als richtig und vorausschauend bestätigt. Ein Werk von Victor Vasarely – etwas größer als unser 2009 erworbenes Gemälde „Fugue“, aber zeitlich und stilistisch absolut vergleichbar – erzielte bei der Auktion den unglaublichen Preis von knapp 650.000 Euro. Dieser Preis liegt um ein Vielfaches über dem, den wir im Vorjahr auf der TEFAF in Maastricht, der wichtigsten klassischen Messe für Kunst und Antiquitäten, für unser Werk bezahlt haben.

Ob wir jetzt schon wieder auf eine neue Spekulationsblase zusteuern, wird sich zeigen. Offensichtlich ist aber, dass nicht mehr der Käufer, sondern der Verkäufer den Preis bestimmt. Der Traum von einem sich etwas abkühlenden Kunstmarkt, scheint ausgeträumt, zumindest was hochwertige, museumsreife Kunst angeht.

Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Kunst nach 1945

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