Zweiter Teil der Serie zur Baugeschichte des Städel Museums

30.12.2009

Im ersten Teil der Serie haben wir den Beginn des Städel Museums am Roßmarkt und den ersten Umzug in die Neue Mainzer Straße vorgestellt. Heute erfahren Sie, wie das Städel Ende des 19. Jahrhunderts in das eigens errichtete neue Gebäude am südliche Mainufer umzog und so den Standort gefunden hat, den wir heute alle kennen.

Erste Überlegungen für einen Neubau

In den Jahren nach dem Umzug in die Neue Mainzer Straße 1833 vergrößerten sich die Bestände an Gemälden, Zeichnungen und Graphiken kontinuierlich. Der Platz für Galerie und Kunstschule reichte kaum noch aus, auch die Zahl der Schüler und Lehrer war gestiegen. Bereits 1852 holte die Städel-Administration Pläne für einen Neubau an der alten Stelle in der Neuen Mainzer Straße ein. Neben dem Architekten Friedrich Maximilian Hessemer reichten Heinrich Hübsch sowie der von 1840 bis 1861 als Städel-Inspektor tätige Johann David Passavant Entwürfe ein. Da ein Um- und Neubau nur für kurze Zeit Abhilfe geschaffen hätte und mit großem Aufwand verbunden gewesen wäre, wurden die Pläne jedoch wieder zurückgestellt. Schließlich entschied man sich für die Realisierung eines Museumsneubaus an einem völlig neuen Standort.


Neuer Standort am Mainufer

Historische Außenansicht (Mainseite)

Die Hauptfassade des Städel am südlichen Mainufer um 1900

Erst 1873 jedoch konkretisierte sich der Neubau. Endlich war der ideale Standort gefunden: ein großes Grundstück in freier Lage am südlichen Mainufer, auf dem nun Galerie und Schule in getrennten Gebäuden untergebracht werden konnten. Die Administration beauftragte die Frankfurter Architekturbüros Oskar Sommer und die Sozietät Mylius & Bluntschli mit der Anfertigung von Plänen. In einer knappen Entscheidung fiel die Wahl auf den Entwurf von Oskar Sommer.


Die Architektur des Neubaus

Der Situationsplan mit der Galerie im Vordergrund und der Kunstschule im Hintergrund, dazwischen der weiträumige Städel-Garten, um 1872, Oskar Sommer

Der Situationsplan mit der Galerie im Vordergrund und der Kunstschule im Hintergrund, dazwischen der weiträumige Städel-Garten, um 1872, Oskar Sommer

Oskar Sommer sah für die Galerie und die Kunstschule zwei getrennte Gebäude vor. Das Galeriegebäude basiert auf einem Kreuzgrundriss, von dem sich jedoch nur der östliche und der westliche Arm weitläufig erstrecken. Den nördlichen Arm verkürzte Sommer zum Verkehrs- und Verwaltungstrakt, den südlichen noch deutlicher zum Eingangsportal. Stilistisch folgte der Architekt der Neorenaissance und bediente sich der Formen der venezianischen Renaissance. Der Entwurf für das Städel orientierte sich stark an den Plänen für die Dresdner Gemäldegalerie von Gottfried Semper – Sommers Lehrer an der berühmten Züricher Semper-Schule. Die Fassade des Städel wurde mit einfarbigem Sandstein verkleidet. Zum Mainufer setzte Sommer im Erdgeschoss Bogenfenster ein. Die Fenster im Obergeschoss wurden komplexer gestaltet – Sommer trennte sie durch je zwei ionische Säulen. Statuen von Dürer und Holbein rechts und links des Eingangsportals sollten auf die Funktion des Gebäudes hinweisen. Das neue Museumsgebäude am Mainufer wurde in der Zeit zwischen 1874 und 1878 erbaut.


Postkarte mit einer Ansicht auf die Gartenseite des Städelschen Kunstinstituts, Foto: Stadtarchiv Frankfurt am Main

Postkarte mit einer Ansicht auf die Gartenseite des Städelschen Kunstinstituts, Foto: Stadtarchiv Frankfurt am Main

Sommers Städel-Bau gilt als Vorläufer des Frankfurter Opernhauses von 1880 und des Hauptbahnhofs. Neben dem Museumsbau am Mainufer war Sommer in Frankfurt für den Neubau der Wertpapierbörse von 1879 verantwortlich, den er gemeinsam mit dem Architekten Heinrich Burnitz entwarf. Darüber hinaus leitete Oskar Sommer von 1869 bis 1894 die Architekturklasse der Städelschule.

Julia Boberski, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Von das neue staedel, Permalink, 0 Kommentare