Neues Künstler-Video mit Eberhard Havekost

28.09.2009

Das zweite Video unserer Reihe über zeitgenössische Kunstwerke aus der Sammlung des Städel Museums stellt das Gemälde „Benutzeroberfläche 1“ von Eberhard Havekost vor.


In dem Video spricht der Künstler Eberhard Havekost über das 1999 entstandene Werk „Benutzeroberfläche 1“, das sich seit 2007 in der Sammlung des Städel Museums befindet. Derzeit noch im Depot aufbewahrt, wird es nach Fertigstellung des Erweiterungsbau dort präsentiert werden. Für Havekost funktioniert Malerei ähnlich wie die Benutzeroberfläche des Computers. Bei dem Gemälde „Benuzeroberfläche 1“ wird das Bildmotiv, ein schräg angeschnittenes und in Untersicht gezeigtes moderneres Appartement-Hochhaus, selbst zu einer Benutzeroberfläche. Das Hochhaus füllt den Blickraum des Betrachters nahezu vollständig aus. Die Fassade wirkt wie eine undurchdringliche Membrane. Einzig die Balkone durchbrechen die stereotype Fassade und bilden eine Nahstelle zwischen Innen und Außen der Architektur. Die Betonung der stromlinienförmigen glatten Oberfläche verdeutlicht die gefilterte Realität.

Biografie

Eberhard Havekost wurde 1967 in Dresden geboren. Er war Meisterschüler bei Prof. Ralf Kerbach an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und erhielt 1999 das Karl Schmidt-Rottluff-Stipendium. Mit seinen Werken ist der Künstler u. a. in den Sammlungen des Museums of Modern Art, des Denver Art Museums, der Tate Collection, der Sammlung Frieder Burda und der Sammlung Marx vertreten. Eberhard Havekost lebt und arbeitet in Berlin und Dresden.
www.eberhard-havekost.de

Dr. Nicole Brandmüller, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Malerei und Skulptur 19. Jh. und Klassische Moderne, und Julia Boberski, Presse-und Öffentlichkeitsarbeit

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Das Städel präsentiert mit „Konstellationen V“ Werke der Kunst nach 1945

18.09.2009

Die Ausstellung der „Konstellationen“-Reihe im Städel zeigt in Vorwegnahme der Neueinrichtung der Sammlung im Erweiterungsbau, in welche Richtung sich die Sammlung entwickeln wird. Im Kontext der 700 Jahre umfassenden Sammlung des Städel Museums wird deutlich, dass die Präsentation der Kunst nach 1945 in größeren Zusammenhängen aufschlussreiche Bezüge erlaubt.

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In vier Räumen stellt das Städel Museum aktuell eine Auswahl von Werken aus dem Sammlungsbereich der Kunst nach 1945 pointiert gegenüber. Die rund 40 Werke umfassende Hängung wählt gezielt unterschiedliche Präsentationsformen, um den vielfältigen und facettenreichen Sammlungsbestand aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Die in Jahrzehnten gewachsene Sammlung verbindet sich dabei auf höchstem Niveau mit aktuellen Ankäufen, Schenkungen und Dauerleihgaben, die erst in den letzten Monaten ihren Weg ins Städel gefunden haben.


Nichts hängt, alles steht

Die Präsentation nimmt im Kabinett zum Main mit einer für das Bildermuseum Städel untypischen Eröffnung ihren Anfang. Auf knapp 38 qm wird ein qualitätvoller sowie im wörtlichen Sinne dichter und raumfüllender Querschnitt durch die Skulpturensammlung des Städel nach 1945 gezeigt: von Bernhard Schultzes „Migof-Tor“ über Jonathan Meeses „Hagen von Tronje“ bis zu Arbeiten von drei bedeutenden Frankfurter Bildhauern, Hans Mettel, Michael Croissant und Hans Steinbrenner.


Die Auflösung des Gegenstandes

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Der sich anschließende Kuppelsaal wird von drei großformatigen Bildwerken beherrscht: Ernst Wilhelm Nays „Rotklang“, Wolfgang Tillmans’ „Freischwimmer 54“ und Armin Boehms „Ohne Titel (Zhwar Kili)“. Während Nay im klassischen Sinn informelle Bildkonzepte verfolgt, gehören die beiden anderen Arbeiten nicht in diesen Kontext. Gleichwohl driften die ungegenständliche Fotografie Tillmans’ und die aus dem schwarzen Bildgrund auftauchende Landschaft Boehms in einen Bereich des Formlosen, der Auflösung des Gegenstandes, der dem klassischen Begriff des Informel verwandt ist. Der Blick vom 21. auf das 20. Jahrhundert lässt dabei immer mehr das Verbindende neben dem Trennenden deutlich werden.


Skulptur und Malerei im Dialog

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Ein Stockwerk tiefer treten Skulptur und Malerei in Dialog und zeigen, wie sich die Kunst des 20. Jahrhunderts trotz aller ungegenständlichen Tendenzen auch und gerade nach 1945 immer wieder mit dem Abbild des Menschen beschäftigt hat: Die monumentalen Menschenbilder von Pablo Picasso und Francis Bacon, der ausgemergelte Leib Alberto Giacomettis „Grand nu assis“ und die drängende Fülle des monumentalen Frauenkopfs („Tête de femme“) Picassos. Die bedrohliche Auflösung der Form schreitet weiter voran, wenn sich Georg Baselitz oder Karel Appel dem in der Malerei sich verlierenden Bild des Menschen widmen.


Geometrische Abstraktion

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Der abschließende, vierte Raum bildet den ästhetischen Gegenentwurf zu diesen figürlichen Variationen und widmet sich der geometrischen Abstraktion – vorgeführt im Nebeneinander von Vorkriegs- und Nachkriegsavantgarde.

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Künstler wie Victor Vasarely, Josef Albers oder Hermann Glöckner machen deutlich, wie sehr die erste und die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts einander bedingen. Sie haben ihre Wurzeln in der klassischen Moderne und beeinflussen wesentlich die Kunst diesseits und jenseits des Atlantiks in den unübersichtlichen Zeiten der Neo-Avantgarde, der Kunst des Abstrakten Expressionismus, der Minimal Art und ihrer Folgen.

Die Sammlungspräsentation „Konstellationen V“ ist noch bis zum 7. März 2010 im Städel Museum zu sehen. Informationen zu aktuellen Führungen finden Sie hier.

Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Kunst nach 1945

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