DZ BANK Kunstsammlung im Städel

14.09.2009

Das Städel Museum hat über 200 hochkarätige Werke aus der renommierten DZ BANK Kunstsammlung erhalten. Sie begründen den neuen Sammlungsschwerpunkt „Fotografie“ im Städel.
Thomas Struth, Louvre III, 1989, © Thomas Struth

Thomas Struth, Louvre III, 1989, © Thomas Struth

Mit dem Spatenstich zur Städel-Erweiterung vollzieht sich auch für die Kunstsammlung der DZ BANK ein wichtiger Schritt. Unsere Corporate Collection ist mit diesem Tag dort angekommen, wo sich das Leben mit der Kunst verbindet. In einem Museum nämlich, das seit der Stiftung durch den Bankier Johann Friedrich Städel vor bald 200 Jahren immer Anschluss an die jeweilige Gegenwart zu halten wusste. Immer also der Realität verpflichtet war. Ganz im Sinne der Städel-Tradition ist es die logische Konsequenz, dass dieses Haus abermals vom Kunstinteresse und dem bürgerlichen Engagement eines Bankinstituts profitiert. Indem es seinen Bestand auf ein Gebiet erweitert, wo Realität erst visualisiert wird, nachdem sie buchstäblich durch die Kamera “ins Visier” genommen wurde. Rund 200 Spitzenwerke aus unserem Sammlungsbestand werden den Grundstock für den neuen Sammlungsschwerpunkt Fotografie im Städel Museums bilden und dort nach Fertigstellung des geplanten Erweiterungsbaus der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Günther Förg, IG Farben Haus VII, 1996, © Günther Förg und Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt a.M.

Günther Förg, IG Farben Haus VII, 1996, © Günther Förg und Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt a.M.

Klassiker von morgen

Aus der Sammlung der DZ BANK gehen herausragende Arbeiten von 76 Künstlern auf Dauer in den Besitz des Städel über. Vertreten sind viele bedeutende Namen von Richard Avedon bis Andy Warhol. Unter ihnen befinden sich Olafur Eliasson, Gilbert & George, Nan Goldin, Andreas Gursky, Robert Mapplethorpe, Sigmar Polke, Richard Prince, Robert Rauschenberg, Thomas Ruff, Cindy Sherman, Katharina Sieverding, Thomas Struth und Hiroshi Sugimoto. Die Auswahl wurde vom Städel Museum getroffen.

Thomas Demand, Büro, 1995, © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Thomas Demand, Büro, 1995, © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Malerei mit fotografischen Mitteln

Insgesamt umfasst die DZ BANK Kunstsammlung über 6000 Werke von über 650 Künstlern. Darunter befindet sich die gesamte internationale Prominenz ebenso wie der förderungswürdige Nachwuchs. Wie in einem Brennglas verdichten sich hier die vielfältigen Tendenzen der Gegenwartskunst. Seit 1993 entstand so eine der bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer künstlerischer Fotografie. Die Konzentration der Sammlung auf das fotografische Bild in seiner ganzen Vielfalt erlaubt eine fokussierte Sicht auf die unterschiedlichsten Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst der letzten drei Jahrzehnte. Sie dokumentiert die Wechselwirkungen zwischen den Kunstgattungen und die Weiterentwicklungen der Malerei mit den Mitteln der Fotografie. Der zeitliche Schwerpunkt der international ausgerichteten Sammlung liegt auf den 1980er- und 1990er-Jahren. Tradierte Kunstgattungen wie Landschaft, Portrait, Genre oder Stillleben bieten ein sinnvolles inhaltliches Grundraster.

Katharina Sieverding, Steigbild III, 1997, © Katharina Sieverding

Katharina Sieverding, Steigbild III, 1997, © Katharina Sieverding

Das Jahrhundertereignis

“Der Übergang vom malerischen zum fotografischen Bild war vielleicht das eigentliche Kunstereignis des 20. Jahrhunderts.” Dem Urteil, zu dem Boris Groys in seinem Essay über die Sammlung der DZ BANK gelangt, will das Kunstengagement der Bank Rechnung tragen. Die programmatische Entscheidung für die künstlerische Fotografie ist darin begründet, dass das Medium nicht länger nur als Reproduktion und Dokumentation eine Rolle spielt. Vielmehr bedeutet sein Weg zur Kunstform einen Fortschritt, der in einem wechselseitigen Verhältnis zur Malerei steht. Das Grundkonzept der Sammlung ist, der Emanzipation des Mediums Fotografie in der Kunst nachzuspüren,

Nan Goldin, Self-Portrait in the blue bathroom at Storckwinkel, 1991, © Nan Goldin

Nan Goldin, Self-Portrait in the blue bathroom at Storckwinkel, 1991, © Nan Goldin

Going public

Von Beginn an auf Transparenz angelegt, wird die Sammlung anlässlich von öffentlichen Führungen und seit 2006 in der bankeigenen Kunsthalle ART FOYER DZ BANK einem breiten Publikum vorgestellt: eine kollektive Annäherung an die Kunst, die einen Querschnitt durch die Gegenwartskunst anhand eines ihrer Schlüsselmedien darstellt. Ab 2011 gibt es Werke aus der Sammlung der DZ BANK im Kontext der Städelschen Sammlung im Erweiterungsbau zu sehen.

Luminita Sabau, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung

Von das neue staedel, Permalink, 0 Kommentare

Transport eines kunstgeschichtlichen Schwergewichts

02.09.2009

ARTIKEL_Kiefer_01

6,4 Meter lang, 3,5 Meter hoch und knapp eine Tonne schwer: Anselm Kiefers gewichtiges Werk „Heereszüge Alexanders des Großen“ (1987/88) wurde aufgrund der anstehenden Bauarbeiten für den Erweiterungsbau soeben von der Wand des Metzler-Saals abgenommen. Eine 8-köpfige Spezialabteilung der Transportfirma Schenker war in enger Zusammenarbeit mit der Restaurierungsabteilung und dem Ausstellungsdienst des Städel Museums zwei Tage beschäftigt, um das Werk fachgerecht und sicher in unsere Gemäldedepots zu bringen. Hier wird es bis zu seinem großen Comeback zur Eröffnung des neuen Städel zwischengelagert.

ARTIKEL_Kiefer_02

Das aus massiven Bleibahnen bestehende dreiteilige Werk musste hierfür zuerst in einem Stück von der Wand genommen werden. Denn so robust das Gesamtwerk auch erscheint, so fragil ist dessen mit Kreidezeichnungen und Fotocollagen versehene Oberfläche. Bei dieser höchst komplizierten Aufgabe kamen fünf Stapler bzw. Schwerlasthubwagen zum Einsatz.


Abtransport aus dem Metzler-Saal

ARTIKEL_Kiefer_03

Erst nachdem das Bild von der Wand genommen wurde, konnte es – noch in der Luft hängend – mit einem Transportrahmen umfasst werden. Von dieser Behausung umgeben, wurde es im nächsten Schritt auf dem Boden des Saals abgesetzt. Um eine mögliche Schieflage des Werks zu verhindern, mussten die Stapler vollkommen synchron bewegt werden – ein Balanceakt sondergleichen.

Dass die Ausgangstüren im Metzler-Saal für das Transportieren von derartigen Bildformaten nicht geeignet sind, versteht sich von selbst. Erst nachdem eine der Türen ausgebaut wurde, konnte das Werk zentimeterweise in Richtung des Städel-Gartens verrückt werden. Draußen angelangt wurde es vom ausgefahrenen Greifarm eines Lastenkrans erfasst und an Schwerlastgurten befestigt durch den Garten transportiert. Vom Lastenaufzug des Ausstellungshauses gelangte das Bild schließlich unversehrt ins Zwischenlager.

ARTIKEL_Kiefer_04

Anselm Kiefers „Heereszüge Alexanders des Großen“

Im Format eines klassischen Historienbildes angelegt, erinnert das Werk „Heereszüge Alexanders des Großen“ an den mazedonischen König, der im 3. Jahrhundert v. Chr. das Perserreich eroberte. Ritzungen und willkürliche Einflüsse auf der Bleioberfläche schaffen ein dichtes Netz von Bezügen und Assoziationen, mit denen sich Kiefer jedoch vom narrativen Aufbau eines Historienbildes entfernt. Vielmehr materialisiert sich im Blei, das Kiefer ab 1982 verwendet, die Schwere und Undurchdringlichkeit der verflossenen Weltgeschichte.

Stephan Knobloch, Leiter der Werkstatt für Gemälderestaurierung


Von das neue staedel, Permalink, 0 Kommentare