Jörg Sasses Arbeit „7127“ in der Videoreihe „Kunst nach 1945“

30.11.2010

In unserer Videoreihe stellen wir regelmäßig Werke aus der Sammlung „Kunst nach 1945“ im Städel Museum vor. In diesem Film spricht der Fotograf Jörg Sasse über sein Werk „7127“ aus dem Jahr 2003, über seine Arbeit an und mit seinem Archiv und über das Eigenleben der Werke an der Wand.

Seit den 1970er-Jahren sammelt Jörg Sasse Fotografien, die ihm als Archiv dienen. Dabei ergänzt er Fremdmaterial, etwa aus Nachlässen oder von Flohmärkten, durch eigene Aufnahmen. Dieses umfangreiche Fotoarchiv ist ihm Ideengeber für seine Arbeiten und zugleich Fundus, aus dem er sich frei bedient. Ausgehend von einer einzelnen Fotografie, die gesichtet, ausgewählt und bearbeitet wird, entsteht schließlich ein eigenständiges neues Werk. Im Verfahren der Rekonstruktion verknüpft Sasse sowohl bewährte Prozeduren der Malerei als auch die unbegrenzten Möglichkeiten zeitgemäßer Computerbearbeitung.

Die 2003 entstandene Arbeit „7127“ präsentiert auf den ersten Blick eine Landschaft. Doch Jörg Sasse interessiert sich für das, was dahinter liegt, unter der Oberfläche verborgen ist. In zahlreichen Überarbeitungsschritten betont er die malerische Komponente der Komposition und weist darauf hin, dass der Wald zu grün, die Wasserfläche zu bunt oder die Figuren allzu isoliert in der vorgeblichen Naturlandschaft stehen. Die getarnte Landschaft ist in Wahrheit eine Konstruktion, in der die Fotografie als Bindeglied zwischen der Wirklichkeit und dem autonomen Bild fungiert.

Biografie
Jörg Sasse wurde 1962 in Bad Salzuflen geboren. Von 1982-1988 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf, war Meisterschüler von Bernd Becher. Es folgten diverse Lehrtätigkeiten, etwa 1988-1989 an der Kunstakademie Düsseldorf, 1993-1994 an der Merz Akademie in Stuttgart und 2003-2007 an der Universität Duisburg Essen als Professor für Fotografie. Jörg Sasse wurde u. a. mit dem KUNSTKÖLN award und dem Epson Art Photo Award for best class ausgezeichnet. Er lebt und arbeitet in Berlin und Düsseldorf.

Miriam Fuchs, Filmredakteurin, Städel Museum

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DZ BANK Kunstsammlung im Städel

14.09.2009

Das Städel Museum hat über 200 hochkarätige Werke aus der renommierten DZ BANK Kunstsammlung erhalten. Sie begründen den neuen Sammlungsschwerpunkt „Fotografie“ im Städel.

Thomas Struth, Louvre III, 1989, © Thomas Struth

Thomas Struth, Louvre III, 1989, © Thomas Struth

Mit dem Spatenstich zur Städel-Erweiterung vollzieht sich auch für die Kunstsammlung der DZ BANK ein wichtiger Schritt. Unsere Corporate Collection ist mit diesem Tag dort angekommen, wo sich das Leben mit der Kunst verbindet. In einem Museum nämlich, das seit der Stiftung durch den Bankier Johann Friedrich Städel vor bald 200 Jahren immer Anschluss an die jeweilige Gegenwart zu halten wusste. Immer also der Realität verpflichtet war. Ganz im Sinne der Städel-Tradition ist es die logische Konsequenz, dass dieses Haus abermals vom Kunstinteresse und dem bürgerlichen Engagement eines Bankinstituts profitiert. Indem es seinen Bestand auf ein Gebiet erweitert, wo Realität erst visualisiert wird, nachdem sie buchstäblich durch die Kamera “ins Visier” genommen wurde. Rund 200 Spitzenwerke aus unserem Sammlungsbestand werden den Grundstock für den neuen Sammlungsschwerpunkt Fotografie im Städel Museums bilden und dort nach Fertigstellung des geplanten Erweiterungsbaus der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Günther Förg, IG Farben Haus VII, 1996, © Günther Förg und Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt a.M.

Günther Förg, IG Farben Haus VII, 1996, © Günther Förg und Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt a.M.

Klassiker von morgen

Aus der Sammlung der DZ BANK gehen herausragende Arbeiten von 76 Künstlern auf Dauer in den Besitz des Städel über. Vertreten sind viele bedeutende Namen von Richard Avedon bis Andy Warhol. Unter ihnen befinden sich Olafur Eliasson, Gilbert & George, Nan Goldin, Andreas Gursky, Robert Mapplethorpe, Sigmar Polke, Richard Prince, Robert Rauschenberg, Thomas Ruff, Cindy Sherman, Katharina Sieverding, Thomas Struth und Hiroshi Sugimoto. Die Auswahl wurde vom Städel Museum getroffen.

Thomas Demand, Büro, 1995, © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Thomas Demand, Büro, 1995, © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Malerei mit fotografischen Mitteln

Insgesamt umfasst die DZ BANK Kunstsammlung über 6000 Werke von über 650 Künstlern. Darunter befindet sich die gesamte internationale Prominenz ebenso wie der förderungswürdige Nachwuchs. Wie in einem Brennglas verdichten sich hier die vielfältigen Tendenzen der Gegenwartskunst. Seit 1993 entstand so eine der bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer künstlerischer Fotografie. Die Konzentration der Sammlung auf das fotografische Bild in seiner ganzen Vielfalt erlaubt eine fokussierte Sicht auf die unterschiedlichsten Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst der letzten drei Jahrzehnte. Sie dokumentiert die Wechselwirkungen zwischen den Kunstgattungen und die Weiterentwicklungen der Malerei mit den Mitteln der Fotografie. Der zeitliche Schwerpunkt der international ausgerichteten Sammlung liegt auf den 1980er- und 1990er-Jahren. Tradierte Kunstgattungen wie Landschaft, Portrait, Genre oder Stillleben bieten ein sinnvolles inhaltliches Grundraster.

Katharina Sieverding, Steigbild III, 1997, © Katharina Sieverding

Katharina Sieverding, Steigbild III, 1997, © Katharina Sieverding

Das Jahrhundertereignis

“Der Übergang vom malerischen zum fotografischen Bild war vielleicht das eigentliche Kunstereignis des 20. Jahrhunderts.” Dem Urteil, zu dem Boris Groys in seinem Essay über die Sammlung der DZ BANK gelangt, will das Kunstengagement der Bank Rechnung tragen. Die programmatische Entscheidung für die künstlerische Fotografie ist darin begründet, dass das Medium nicht länger nur als Reproduktion und Dokumentation eine Rolle spielt. Vielmehr bedeutet sein Weg zur Kunstform einen Fortschritt, der in einem wechselseitigen Verhältnis zur Malerei steht. Das Grundkonzept der Sammlung ist, der Emanzipation des Mediums Fotografie in der Kunst nachzuspüren,

Nan Goldin, Self-Portrait in the blue bathroom at Storckwinkel, 1991, © Nan Goldin

Nan Goldin, Self-Portrait in the blue bathroom at Storckwinkel, 1991, © Nan Goldin

Going public

Von Beginn an auf Transparenz angelegt, wird die Sammlung anlässlich von öffentlichen Führungen und seit 2006 in der bankeigenen Kunsthalle ART FOYER DZ BANK einem breiten Publikum vorgestellt: eine kollektive Annäherung an die Kunst, die einen Querschnitt durch die Gegenwartskunst anhand eines ihrer Schlüsselmedien darstellt. Ab 2011 gibt es Werke aus der Sammlung der DZ BANK im Kontext der Städelschen Sammlung im Erweiterungsbau zu sehen.

Luminita Sabau, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung

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Start der Videoreihe über Werke der Kunst nach 1945 im Städel Museum

04.09.2009

Das Video über die Fotoarbeit „Liquid Crystal“ von Marie-Jo Lafontaine ist das erste einer Reihe, in der Künstler oder Kuratoren ein zeitgenössisches Kunstwerk aus der Sammlung des Städel Museums vorstellen. Die Videos werden von artsite.tv produziert und von der Presseabteilung des Städel redaktionell betreut.

In ihrem Video spricht Marie-Jo Lafontaine über drei ihrer 1999 entstandenen überlebensgroßen Schwarz-Weiß-Fotografien aus der Serie „Liquid Crystal“, die allesamt Porträts von Jugendlichen zeigen. Die Posen der in Frontalansicht abgebildeten Mädchen wirken trotzig, cool und zuweilen skeptisch. Die Künstlerin erläutert im Video ihr Interesse an der noch nicht gefestigten Persönlichkeit junger Heranwachsender, die sie mit den Eigenschaften von Flüssigkristallen in Verbindung bringt. Besondere Aufmerksamkeit widmet die Fotografin dem Blick der Dargestellten, in dem sich die Persönlichkeit offenbart.

DZ BANK Sammlung im Städel Museum

„Liquid Crystal“ von Marie-Jo Lafontaine ist Teil des über 200 Werke umfassenden Konvoluts zeitgenössischer Fotografie, das aus der Sammlung der DZ BANK an das Städel Museum übergeben wurde und ab 2011 im Erweiterungsbau zu sehen sein wird.

Derzeit ist „Liquid Crystal“ im Rahmen der Ausstellung „Herrlich Weiblich!“ noch bis zum 31. Oktober im ART FOYER der DZ BANK zu sehen.

Biografie

Die Videokünstlerin und Fotografin Marie-Jo Lafontaine wurde 1950 in Antwerpen geboren. Mit der Videoinstallation „Les Larmes d´Acier“, die sie 1987 auf der documenta 8 in Kassel zeigte, wurde Marie-Jo Lafontaine international bekannt. In den folgenden Jahren entstehen environmentartige Multimediainstallationen und Fotoserien. Im Rahmen der Frankfurter „Skyarena“ zur Fußball-WM 2006 gestaltete Marie-Jo Lafontaine den künstlerischen Teil mit der Videoinstallation „I love the world“, die auf Fassaden der Hochhäuser projiziert wurde. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Brüssel.
http://www.marie-jo-lafontaine.com/

Dorothea Apovnik und Marijke Gassen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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Langfristige Zusammenarbeit zum Wohle aller

25.08.2009

Max Hollein und Wolfgang Kirsch bei der Pressekonferenz anlässlich der Bekanntgabe der Übergabe der Werke am 17. Juni 2008

Max Hollein und Wolfgang Kirsch bei der Pressekonferenz anlässlich der Bekanntgabe der Übergabe der Werke am 13. März 2008

“Die Entscheidung für den Erweiterungsbau des Städel Museums spricht für sich. Als DZ BANK und damit als Unternehmen, das seinen Sitz in Frankfurt hat, sind wir stolz, dass wir zu diesem wichtigen Projekt einen wesentlichen Beitrag leisten. Ab 2011 wird es in der neuen Ausstellungshalle eine DZ BANK Galerie geben. Darüber hinaus überlässt die DZ BANK dem Städel Museum 200 Meisterwerke aus ihrer berühmten Sammlung zeitgenössischer Fotografie. Dies geschieht im Namen von rund 1000 Volksbanken und Raiffeisenbanken. Es ist unser Ziel, die Kultur dorthin zu bringen, wo sie hingehört: zu den Menschen. Diese wiederum haben am meisten davon im Museum. Und welches Museum könnte für unsere Sammlung besser geeignet sein als das Städel? Für uns beginnt damit eine Zusammenarbeit, die langfristig angelegt ist. Es beginnt aber noch viel mehr. Denn wir erhoffen und wünschen uns davon, dass daraus etwas Neues entsteht – zum Wohl der Allgemeinheit, zu unser aller Wohl. Als DZ BANK engagieren wir uns für unsere Stadt, für die Menschen, die hier leben und für die, die aus der ganzen Welt zu Besuch ins Städel Museum kommen. Auch vor dem Hintergrund ist das Städel mit seinem Stiftungsauftrag für uns der ideale Partner.”

Wolfgang Kirsch, Vorsitzender des Vorstands der DZ BANK AG, Frankfurt am Main

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