Neu im Städel Museum: Andreas Gurskys Fotografie „Paris, Charles de Gaulle”

10.08.2011

„Ich arbeite an einer Enzyklopädie des Lebens“, so äußerte sich der Fotograf Andreas Gursky 2007 im Magazin Stern über seine Arbeitsweise. Dieses ambitionierte Projekt begann er bereits Mitte der 1980er-Jahre. Mittlerweile gehört der gebürtige Leipziger zu den weltweit bekanntesten zeitgenössischen Fotografen. Mit der Übergabe von über 200 Werken aus der der DZ BANK Kunstsammlung kommt nun eines seiner frühen großformatigen Arbeiten in die Sammlung des Städel: „Paris, Charles de Gaulle“ von 1992 wird ab Ende Februar in den neu eröffneten Gartenhallen präsentiert.

Andreas Gursky, Paris, Charles de Gaulle, 1992, C-Print, 165 x 200 cm (gerahmt), (c) Courtesy: Monika Sprüth / Philomene Magers / VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Eine seltsame Schwerelosigkeit geht von Andreas Gurskys Flughafenbild „Paris, Charles de Gaulle“ aus. Überdachte Rolltreppen gruppieren sich in einem offenen Atrium, am Boden sprudelt ein Springbrunnen, in der Bildmitte herrscht erschreckende Leere. Überall bewegen sich Menschen und trotzdem erscheint der wichtigste europäische Verkehrsknotenpunkt seltsam ruhig. Andreas Gursky sucht sich die Orte, die er fotografiert, sehr genau aus. Interessiert am Zusammenspiel von Makrostrukturen und Mirkokosmos findet er Motive, die er als Bildidee bereits vorher im Kopf hat, in der Realität wieder. Mit einer perfektionistischen Genauigkeit und einem komplexen Verfahren schafft er zugespitzte und verdichtete Formen – eine neue Hyperrealität, gespickt mit Elementen des Fiktiven.

Die manipulierte Wirklichkeit, die vorallem in Gurskys späteren Werken zum Tragen kommt, ist insbesondere seiner Arbeitsweise geschuldet. Mit einer analogen Großbildkamera fotografiert, werden die gescannten Abzüge am Computer montiert, Bildausschnitte übereinandergelagert, während andere Details verschwinden. Gemeinsam mit seinem Bildbearbeiter feilt Gursky an der komplexen Gesamtkomposition, der Stimmigkeit von Perspektive und Licht. Charakteristisch für Gursky ist auch die Präsentationsart seiner Fotografien: im sogenannten Diasec-Verfahren wird der Fotoabzug mit Silikon auf eine Plexiglasscheibe kaschiert. So rücken seine extrem großformatigen Fotografien von der Wand ab und scheinen im Raum zu schweben.

Andreas Gursky studierte an der Kunstakademie in Düsseldorf und gehört mit Thomas Struth, Axel Hütte, Candida Höfer und Thomas Ruff zu den Schülern von Bernd und Hilla Becher, die die deutsche Fotografie mit einer konzeptuellen und formalistischen Formsprache entscheidend geprägt haben. Schon sehr früh kam der Künstler in Kontakt mit Fotografie, denn sowohl sein Vater als auch sein Großvater waren Werbefotografen von Beruf. Gursky begann mit Kleinformaten, bis er Anfang der 1990er-Jahre mit der großformatigen, digital bearbeiteten Farbfotografie seinen Durchbruch erlangte. Auf dem Kunstmarkt erzielen Gurskys Werke derzeit Rekordpreise, seine Arbeit „99 Cent II Diptychon“ wurde 2006 als eines der teuersten Fotografie aller Zeiten verkauft.

Gudrun Herz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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Abschied bei der DZ BANK Kunstsammlung: Ein Interview mit Luminita Sabau und Christina Leber von der DZ BANK Kunstsammlung, Teil 2

15.07.2011

Wir sprachen mit Luminita Sabau und Christina Leber über die Besonderheiten der DZ BANK Kunstsammlung, die Kooperation mit dem Städel Museum und über zukünftige Projekte.
 

Übergabe der DZ BANK Werke an das Städel Museum, 2008 (v.l.n.r. Max Hollein, Felix Semmelroth, Luminita Sabau, Wolfgang Kirsch, Nikolaus Schweickart)

Teil 2
 
Was ist für Sie das Besondere im Umgang, im Aufbau und in der Vermittlung der DZ BANK Unternehmenssammlung?

Leber: Grundsätzlich muss man dabei immer zwischen interner Vermittlung – z. B. an unsere Mitarbeiter – und Vermittlung der Sammlung nach außen, an die breite Öffentlichkeit unterscheiden. Momentan sind wir in den letzen Zügen der Vorbereitung für eine neue Wanderausstellung. In „Road Altas“ zeigen wir Straßenfotografie aus der DZ BANK Kunstsammlung. Als erstes ist die Ausstellung in den Opelvillen in Rüsselsheim zu sehen, dann wandert sie weiter an unterschiedliche Standorten in ganz Deutschland, bis sie 2014 wieder zurück nach Frankfurt kommt.

Die Vermittlung für Mitarbeiter der DZ BANK ist uns eine Herzensangelegenheit. Wir machen Mitarbeiter-Führungen in den Etagenausstellungen, im ART FOYER oder in Ausstellungen, die außer Haus stattfinden, wie zum Beispiel bei „REAL – Fotografien aus der Sammlung der DZ BANK“ im Städel im Jahr 2008. Diese Ausstellung, die zum 125-jährigen Bestehen der Bank stattfand, hat über die Hälfte unserer Belegschaft besucht. Außerdem gibt es Workshops für Kinder von Mitarbeitern. Jeder der in der DZ BANK zu arbeiten beginnt, hat sofort Kontakt mit unserer Sammlung.

Was bedeutet es für Sie und die DZ BANK, einen Teil der Sammlung im Museum zu wissen?

Sabau: Die Übergabe der Werke an das Städel Museum war für uns eine große Anerkennung der wissenschaftlichen Leistung, die wir hier erbracht haben. Es ehrt uns sehr, dass das Museum Teile der Sammlung übernommen hat. Auch die Mitarbeiter bekommen dadurch eine Vorstellung des ideellen Wertes unserer Sammlung. Für uns ist das auch kein Aderlass, denn wir können zukünftig gegenseitig auf die Werke zurückgreifen. Zum Beispiel hat das Städel dadurch die Möglichkeit, ihre Ausstellungen mit weiteren temporären Leihgaben zu ergänzen.

Es war immer unsere Absicht, die Fotografie von der Gosse auf die Mainstreet der Kunst zu bringen. Einen meiner dringlichsten Wünsche habe ich schon im ersten Konzept formuliert, das war die Verbindung von Fotografie mit Malerei. Die Erfüllung des Wunsches wird uns jetzt im Städel gelingen.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Städel?

Sabau: Die DZ BANK hatte den Wunsch, die Sammlung weiter in die Öffentlichkeit zu bringen. Wir hatten die Möglichkeit, das ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung zu eröffnen, wo wir regelmäßig Ausstellungen mit Werken aus unserer Sammlung und Gastausstellungen ausrichten. Aber mein Anliegen war es auch, eine Public Private Partnership ins Leben zu rufen. Nach kurzer Zeit kamen wir mit Max Hollein ins Gespräch, der diese Angelegenheit sehr aktiv betrieben hat. Die Kooperation gestaltet sich ausgezeichnet.

Leber: Wir stehen aufgrund einer gemeinsamen Ausstellung im Januar 2012 im ART FOYER in sehr gutem und intensivem Kontakt mit Martin Engler, dem Sammlungsleiter für Gegenwartskunst im Städel Museum. Ich finde es sehr bemerkenswert, dass unsere Sammlungsstrategie im Städel Bestätigung finden wird, denn in den neuen Ausstellungshallen werden Fotografie und Malerei nebeneinander hängen. Das wird in einer Dauerausstellung zum ersten Mal so sein. Die Fotografin Gisèle Freund sprach schon in den 1970er-Jahren davon, dass die Fotografie in der Kunst angekommen sei. Für mich ist das aber erst jetzt der Fall. Es hat doch relativ lange gedauert.

Frau Leber, haben Sie ein Lieblingsbild aus der Sammlung?

Leber: Nein, das kann man nicht auf ein Bild reduzieren. Als ich in der DZ BANK Kunstsammlung anfing, haben mich einige Serien total kalt gelassen, die ich heute liebe. Das hat auch immer etwas mit der persönlichen Entwicklung zu tun, mit der Tagesform oder dem Moment, welches das liebste Bild ist.

Frau Sabau, Sie sind eine ausgezeichnete Expertin für zeitgenössische Kunst und Fotografie, was hängt bei Ihnen zu Hause an den Wänden?

Ich habe ein paar kleinere Arbeiten, die mir Künstler geschenkt haben. Zu den Fotografien habe ich eine emotionale Beziehung, ich möchte sie nicht mit Arbeiten aus der DZ BANK Kunstsammlung vergleichen. Es sind eher persönliche Stücke.

Sie waren Sammlungsleiterin des DAM – Deutsches Architekturmuseum, anschließend im ZKM – Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, fast 20 Jahre lang leiteten Sie die Kunstsammlung der DZ BANK. Welche Herausforderungen warten noch auf Sie?

Sabau: Ich werde mir eine kreative Pause gönnen, ein Sabbatical, um herauszufinden, was die nächste Herausforderung sein könnte.

Wie wird es mit der DZ BANK Sammlung weitergehen, gibt es schon Projekte, auf die wir uns freuen können?

Leber: Seit 1996 arbeite ich – mit Pausen – für die DZ BANK. Ich habe nicht das Bedürfnis, etwas Grundlegendes zu ändern. Wir werden weiterhin vier Ausstellungen im Jahr im ART FOYER machen und die ein oder andere Ausstellung außerhalb der Bank. Auch an unserer Vermittlung nach innen werden wir festhalten. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Martin Engler, der im Januar hier eine Ausstellung kuratieren wird, um einen Brückenschlag für die Eröffnung des Städel-Erweiterungsbaus zu schaffen. Außerdem bin ich sehr gespannt auf die Präsentation der DZ BANK Kunstsammlung, die ab Februar 2012 im Städel zu sehen sein wird. Das ist eine wunderbare Bereicherung für das Spektrum der Sammlung.

Das Interview führte Gudrun Herz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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Abschied bei der DZ BANK Kunstsammlung: Ein Interview mit Luminita Sabau und Christina Leber

12.07.2011

Nach fast 20 Jahren gibt Luminita Sabau die Leitung der von ihr aufgebauten DZ BANK Kunstsammlung ab, ihre Nachfolgerin Christina Leber ist seit letzter Woche im Amt. Wir sprachen mit den beiden Kunsthistorikerinnen über die Besonderheiten der DZ BANK Kunstsammlung, die Kooperation mit dem Städel Museum und über zukünftige Projekte.

Foto: Michael Frank

Teil 1

Frau Sabau, Sie haben die DZ BANK Kunstsammlung für zeitgenössische Fotografie aufgebaut und in den letzen 20 Jahren maßgeblich geprägt. Anfang der 1990-er Jahre war zeitgenössische Fotografie noch nicht so populär wie heute. Wie hat alles mit der DZ BANK Kunstsammlung angefangen?

Sabau: Die Entscheidung für zeitgenössische Fotografie war keiner persönlichen Vorliebe geschuldet. Wir wollten 1992/93 ein Alleinstellungsmerkmal für die Sammlung schaffen, um unser Engagement klar zu positionieren. Deshalb haben wir eine Marktstudie in Auftrag gegeben, auf deren Grundlage wir feststellen konnten, was vergleichbare Institute sponsern oder in welchen Bereichen sie sammeln. Die Markstudie hat ergeben, dass zwei Bereiche in der zeitgenössischen Kunst noch nicht institutionell besetzt waren: Fotografie und neue Medien. Das traf sich gut mit meiner letzten Museumsposition im ZKM in Karlsruhe. Dort war ich für die Kunstsammlung verantwortlich, die neue Medien und Fotografie beinhaltete – sozusagen eine glückliche Fügung. Mein Konzept für die DZ BANK Kunstsammlung, damals noch DG Bank, beinhaltete verschiedene Überlegungen, u.a. wie Kunst im Unternehmenskontext implementiert werden kann.

Wie konnten Sie damals die Bank überzeugen auf dieses relativ junge Medium zu setzen?

Sabau: Die DZ BANK sah sich trotz einer über 100-jährigen Geschichte als jung, fortschrittlich, technologieinteressiert und innovativ. Wir wollten aus der Gegenwart heraus in die Zukunft sammeln, das stand fest. Im Gegensatz zu einer Privatbank, zu der vielleicht eher die alten Meister gepasst hätten, entschieden wir uns für Fotografie. Und innerhalb des Mediums für einen sehr spezifischen Bereich, der damals noch nicht etabliert war: „Das Medium Fotografie in der zeitgenössischen Kunst“, so lautete auch der Titel des Konzepts.

In der Fotografie sahen wir die ideale Spiegelung unseres Selbstverständnisses. Geschmackliche Präferenzen haben dabei keine Rolle gespielt.

Erinnern Sie sich an das erste Kunstwerk, das für die DZ BANK Kunstsammlung angekauft wurde?

Sabau: Ja, das war ein Bild von Marie-Jo Lafontaine „Der Augenblick des Überlebens ist der Augenblick der Macht“, das Arbeit basiert auf einem Filmstill aus ihrer documenta-Arbeit „Les Larmes d’Acier“. Für ein erstes Bild in einem Unternehmenskontext war der Titel vielleicht ein bisschen gewagt, deswegen wollte der Vorstand es sehen. Ich habe dem damaligen Vorstandsvorsitzenden erläutert, warum das Bild für die Sammlung bedeutend ist und er war einverstanden. Das war das erste und einzige Mal, dass jemand an unseren Ankaufentscheidungen beteiligt war.

Was macht die Unternehmenssammlung der DZ BANK aus, was sind die Merkmale, was muss und was kann sie leisten?

Leber: Ein wesentliches Merkmal der DZ BANK Kunstsammlung ist die Orientierung an den fotografischen Genres, darunter Portrait, Landschaft, Veduten, Stillleben usw. Durch diese Einteilung können wir die Fotografie in der zeitgenössischen Kunst und der Kunstgeschichte verorten und nachvollziehbar machen. Kunst ist immer auch selbstreferenziell, d. h. Künstler beziehen sich auf das, was im letzten Jahrzehnt, im vorigen Jahrhundert oder vor 1000 Jahren passiert ist. Genau das wollen wir mit der Sammlung abbilden.

Nach welchen Kriterien werden die Kunstwerke in die DZ BANK Kunstsammlung aufgenommen?

Leber: Zunächst muss das Kunstwerk in die Richtlinien passen, über die wir bereits gesprochen haben. In diesem Gerüst kann man sich ganz gut bewegen. Es war der DZ BANK immer ein Anliegen, junge Künstler und Talente zu fördern. Vor einigen Jahren hat die DZ BANK Stipendien vergeben, zum Beispiel an Thomas Demand. Wie er haben sich viele Künstler seit damals wunderbar entwickelt.

Mit 6.000 Werken von fast 600 Künstlern gehört sie Sammlung der DZ BANK zu den wichtigsten Sammlungen für zeitgenössische Fotografie. Wie hält man eine Sammlung lebendig?

Leber: Ich würde das gern am Beispiel der aktuellen Ausstellung „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“ beschreiben. Wenn wir uns für ein Ausstellungsthema entscheiden, dann forschen wir nach wichtigen Positionen oder Aspekten, die zu diesem Thema in unserer Sammlung noch fehlen. Nach dieser Recherche gehen wir auf die Suche, auf Kunstmessen, in Galerien, bei Künstlern und ergänzen entsprechend, um alle Details abbilden zu können, zum Beispiel Materialien, die es heute in der Fotografie gibt, oder verschiedene künstlerische Herangehensweisen.

Sabau: In dieser Ausstellung sind einerseits Arbeiten, die wir bereits in den Anfängen der Kunstsammlung 1994 gekauft haben, zum Beispiel Fotografien von Thomas Wrede, andererseits aber auch neue Positionen. Ganz aktuell befindet sich in der Ausstellung ein Werk von Ulrich Gebert, das wir erst vor drei Wochen auf der Art Basel gekauft haben. Die Arbeit von Mona Mönnig stammt aus der Ausstellung „Gute Aussichten“, die Kunstabsolventen letztes Jahr in der DZ BANK gezeigt haben.

Gibt es auch verpasste Gelegenheiten, Situationen, in denen Sie nicht zugegriffen haben und Ihnen ein Kunstwerk „durch die Lappen ging“?

Sabau: Nein, es gibt wenige einmalige Gelegenheiten. Die Angebote wiederholen sich nach ein paar Jahren. Denn Fotografie in der zeitgenössischen Kunst wird in der Regel in Auflagen produziert, d.h. es gibt mehrere Exemplare desselben Bildes. Wir sind jetzt in der angenehmen Lage, auf einen Bestand zurückgreifen zu können, der so umfangreich ist, dass Lücken nicht so schmerzhaft sind. Natürlich haben wir immer noch Wünsche, die eine oder andere Fotografie mag ausverkauft sein, aber wir sind zuversichtlich, dass sie auf den Markt irgendwann wiederkommen.

Wie hat sich das Medium Fotografie in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Wie kann man das an Ihrer Sammlung ablesen?

Leber: Um es mit einer provokativen Hypothese zu versuchen: Die Fotografie ist aus der Technologieentwicklung des 19. Jahrhunderts entstanden. Physiker und Chemiker haben sich Jahrzehnte lang mit dem Abbildungsprozess beschäftigt. Die digitale Technik, die ja immer stärker in den Vordergrund zu treten scheint, rückt vom chemischen Verfahren weg zum geplotteten Ausdruck. Auf einem Tintenstrahldrucker hergestellte Bilder, die nicht wie gewohnt in einer Dunkelkammer entwickelt wurden, sondern am Computer bearbeitet sind und mit pigmentierter Tusche gedruckt werden, was hat das noch mit Fotografie zu tun? Es ist eine Weiterentwicklung und nähert sich im Verfahren wieder der Malerei oder vielleicht besser der Druckgrafik an. Das finde ich sehr interessant. Ich bin sehr gespannt, wie sich das weiter entwickeln wird. Es wird natürlich immer Künstler geben, die auf chemischen Verfahren bestehen, weil sie eine ganz andere Wirkung haben. So ähnlich wie das Hören einer Schallplatte oder eines MP3-File.

Sabau: Man darf die Diskussion über Fotografie dennoch nicht nur auf die Technik reduzieren. Es gibt natürlich auch Zwänge, die der Technik geschuldet sind, aber das steht für uns Kunsthistoriker nicht im Vordergrund. Die Entscheidung, ob eine Fotografie in die Sammlung kommt, hängt allein von der Qualität des Bildes ab.

Die Sammlung ist auch für Ihre Mitarbeiter von großer Bedeutung. Kunst in den DZ BANK Büros, kann man sich das aussuchen?

Leber: In den ersten Jahren konnten sich die Kolleginnen und Kollegen Kunst aus dem Depot aussuchen. Wir wissen allerdings, dass Tageslicht den Kunstwerken langfristig schadet. Deshalb gibt es qualitätvolle Drucke von unseren Arbeiten, die wir rahmen lassen und die in den Büros hängen können. Das hat den Vorteil, dass die Mitarbeiter sich nicht auf kleine Formate beschränken müssen, so kann man sich auch zum Beispiel einen Andreas Gursky aussuchen.

Das Interview führte Gudrun Herz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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„Herein!“ – Fotografie-Ausstellung im ART FOYER der DZ BANK

12.04.2011

Ein Vorgeschmack auf zeitgenössische Fotografie im Städel gefällig? In seiner kommenden Ausstellung zeigt das ART FOYER der DZ BANK Werke von 20 internationalen Gegenwartskünstlern, die die Besucherinnen und Besucher in jeder Hinsicht gefangen nehmen werden: Zu sehen sind fotografierte Interieurs – in den meisten Fällen Flucht- oder Zufluchtsorte – die es entweder gar nicht gibt oder die kaum einen Ausweg offen lassen. Mit Candida Höfer und Louise Lawler sind zwei herausragende Fotografinnen in der Ausstellung vertreten, deren Arbeiten im Zuge der Übergabe der über 200 Werke aus der DZ BANK Kunstsammlung ins Städel Museum kommen und dort ab Februar 2012 in der Sammlung der Gegenwartskunst zu sehen sein werden.

Julian Faulhaber, Cocoon, 2004

Eindrucksvoll zeigt die Präsentation, wie zeitgenössische Fotografie traditionelle Prinzipien der Interieursmalerei mit anderen Mitteln fortführt. Der Betrachter wird irritiert und herausgefordert, die Bilder zu hinterfragen. Die gezeigten Fotografien heischen nach Aufmerksamkeit und entschädigen den aufmerksamen Betrachter mit verblüffenden Entdeckungen.

Candida Höfer, Milchhof Nürnberg I, 1999

Vielfach sind die Interieurs auch Leerräume, wie zum Beispiel bei der Becher-Schülerin Candida Höfer. Die großformatigen Fotografien der 1944 in Eberswalde geborenen Künstlerin dokumentieren menschenleere Ausstellungsräume. Neben der Frage nach deren Funktion thematisieren die Bilder gleichzeitig eine hinter dem Bild liegende, inhaltliche Ebene, wie zum Beispiel in der Fotografie „Milchhof Nürnberg I“ (1999). Der Protest, der im Jahr 2008 gegen den Abriss des in den 1930er Jahren erbauten denkmalgeschützten Milchhofs entbrannte, und von dem heute nur noch ein Gebäude erhalten ist, das den Kunstverein beherbergt, wird hier wieder in Erinnerung gerufen.

Louise Lawler, not yet titled, 2003

Eine ähnlich kritische Position nimmt auch die 1947 in New York geborene Fotografin Louise Lawler ein: Sie eignet sich zum Beispiel immer wieder die Werke anderer Künstlerstars an, hinterfragt deren Provenienzen und historische Hintergründe und macht letztlich auf unsichtbare Nebenschauplätze im Kunstsystem aufmerksam. Ihre Arbeit „not yet titled“ (2003) enthält gleich zwei kühne Zitate. Als Bild im Bild ist Gerhard Richters berühmtes Gemälde „Ema – Akt auf einer Treppe“ von 1966 zu sehen. Es liegt auf der Seite an die weiße Wand gelehnt, als würde es darauf warten aufgehängt zu werden. Die Fotografie wurde wiederum in einen leeren Ausstellungsraum fotografiert. Hier zitiert Lawler sich selbst mit ihrer Arbeit „Nude“.

Lucinda Devlin, Lethal Injection Chamber, Nevada State Prison, Carson City, Nevada, 1991

Die Ausstellung „Herein!“ eröffnet morgen, Mittwoch, den 13. April, um 19 Uhr im ART FOYER der DZ BANK und ist bis zum 11. Juni 2011 zu sehen.

Vivien Trommer

Studentin des Masterstudiengangs „Curatorial Studies – Theorie – Geschichte – Kritik“ und Praktikantin der Abteilung Gegenwartskunst im Städel Museum

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Städel erhält bedeutende Foto-Sammlung

24.03.2011

Historische Fotografien, Seite an Seite mit Gemälden und Skulpturen – eine derartige Sammlungspräsentation hat es bisher in deutschen Museen nicht gegeben. Mit dem jüngst vom Städelschen Museums-Verein mit finanzieller Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Hessischen Kulturstiftung getätigten Ankauf der Fotografie-Sammlung von Uta und Wilfried Wiegand erhält das Städel die einzigartige Gelegenheit, Fotografie im Zuge der Neupräsentation der Sammlung der Moderne als integralen Bestandteil der Kunstgeschichte zu präsentieren. Ein Teil der Sammlung gelangte zudem als Schenkung des Ehepaars Wiegand in die Bestände des Museums. Die Sammlung Wiegand gehört zu den bedeutendsten Fotografie-Sammlungen und umfasst über 200 Arbeiten, darunter herausragende Einzelwerke von der Frühzeit der Fotografie über den Piktorialismus der Jahrhundertwende bis hin zur klassischen Moderne. Das Konvolut ist eine perfekte Ergänzung zu den 200 Werken der zeitgenössischen Fotografie, die das Städel 2008 aus der renommierten DZ BANK Kunstsammlung erhalten hat.

Edward Steichen, Modefoto, 1931

Das Ehepaar Wiegand sammelten seit den 1970er-Jahren Fotografien. Ihre unvergleichliche Sammlung zeigt die Entwicklung des Mediums beginnend mit den ersten Fotografien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Vertreten sind viele internationale Ikonen der Fotografiegeschichte, wie zum Beispiel Eugène Atget, Brassaï, Julia Margaret Cameron, André Kertész, Edward Steichen oder Alfred Stieglitz, um nur einige zu nennen. Schwerpunkte der Sammlung Wiegand sind Landschafts- und Architekturaufnahmen des 19. Jahrhunderts, Stadtansichten, Künstlerporträts, Reisefotografien sowie Aufnahmen archäologisch bedeutender Orte, die zunehmend an die Stelle der Reproduktionsgraphik traten.

Cecil Beaton, Lilian Gish

Durch den Erwerb der Sammlung Wiegand kann das Städel Museum ganz neue Bezüge innerhalb der eigenen Sammlung herstellen. So ist beispielsweise August Sanders Fotografie, die Otto Dix gemeinsam mit seiner Frau zeigt, ein perfektes Pendant zu Dix’ Gemälde seiner Familie, welches sich bereits in der Sammlung des Städel befindet.

Jedes Bild wird genau untersucht und sein Zustand von der Restauratorin Aimee Ducey-Gessner protokolliert.

Für den Transport wird das Rahmenglas mit Folie geschützt, dahinter verbirgt sich eine Fotografie von Dora Maar.

Zahlreiche Holzkisten mit den Fotografien wurden vor kurzem im Städel angeliefert. Die Bilder wurden von unseren Restauratoren genauesten begutachtet und alle Zustandsdetails in ein umfassendes Protokoll eingetragen. Anschließend wurden die Fotografien inventarisiert und bis zu ihrer Präsentation in der Sammlung der Moderne in den Depots des Hauses archiviert.

Städel-Kurator Dr. Felix Krämer und Ruth Schmutzler, Leiterin der Werkstatt für Graphikrestaurierung, begutachten die Fotos.


Dr. Felix Krämer mit dem Sammler Prof. Dr. Wilfried Wiegand.

Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Wilfried Wiegand befasst sich seit etwa 40 Jahren mit Fotografie. Der ehemalige Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb mehrere Bücher zur Geschichte der Fotografie und erhielt als anerkannter Foto-Experte im Jahre 2005 den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie.

Gustave Le Gray, Salut der französischen Flotte vor Cherbourg, 1858

Erstmals bewundern kann man die Sammlung Wiegand ab 17. November 2011 im Rahmen der Neupräsentation der ständigen Sammlung der Moderne, die im Altbau des Städel eröffnet wird.

Dr. Felix Krämer, Sammlungsleiter Moderne im Städel Museum

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Barbara Klemm fotografiert das neue Städel

16.02.2011

1981 portraitierte sie Andy Warhol im Städel Museum mit Rucksack und zusammengefalteten Händen vor Tischbeins weltberühmtem Goethe-Gemälde. Dieses Foto gehört wohl zu den bekanntesten Künstlerportraits der renommierten, in Frankfurt lebenden Fotografin Barbara Klemm. Zum Städel Museum hat Barbara Klemm eine besondere Beziehung. Dieses und viele andere international bekannte Museen waren immer schon ideale Settings für ihre Aufnahmen. In Museen portraitierte sie nicht nur eine Reihe herausragender Künstler, auch den Museumsalltag mit seinen Ausstellungsbesuchern hielt sie in charakteristischen Situationen mit ihrer Kamera fest. Sechs dieser Ausstellungssituationen kommen nun im Rahmen der Übergabe von über 200 Fotografien aus der DZ BANK Kunstsammlung in die Sammlung des Städel Museums.

Barbara Klemm, Weltausstellung Osaka, Japan, 1970.

Für die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, eine der wichtigsten Unterstützerinnen der Städel-Erweiterung, fotografierte Barbara Klemm vor Kurzem die Baustelle der unterirdischen Gartenhallen. Mehrmals war sie mit ihrer Kamera auf dem Gelände unterwegs, um sich den besten Standort für das Foto auszusuchen: Die Fotografin entschied sich schließlich für das Dach der Städelschule, die derzeit eingerüstet ist. Von dort oben hat man einen hervorragenden Blick auf die Baustelle des Neubaus und den Städel-Altbau. Wir freuen uns, dass wir das Foto von Barbara Klemm vor Veröffentlichung in einer Publikation der Hertie-Stiftung exklusiv auf unserem Blog  zeigen können:

Das neue Städel, fotografiert von Barbara Klemm.

Die Fotografin wagt sich auf das Dach des Städel-Altbaus.

Weiter ging es zum nächsten ungewöhnlichen Ort: Vom Dach des Mainflügels des Städel fotografierte Barbara Klemm mit einer Leica und einer analogen Spiegelreflex-Kamera die markante Skyline von Frankfurt. Auf dem abenteuerlichen Weg dorthin entdeckte sie die Bauarbeiter bei der Pause und schoss ganz nebenbei einige Fotos.

Hinter dem Durchbruch in der Wand entdeckt Barbara Klemm die Arbeiter beim Pausieren.

Die Fotografin im Gespräch mit den Bauarbeitern. Auch unser Filmteam für die Videoreihe „Kunst nach 1945“ ist mit dabei.

Barbara Klemm zählt heute zu den prominentesten Chronistinnen der jüngsten deutschen Vergangenheit. Die Fotojournalistin, die als Redaktionsfotografin mehr als 30 Jahre die Bildsprache der Frankfurt Allgemeinen Zeitung geprägt hat, hielt bedeutende historische Momente der Bundesrepublik und der DDR fest.

Barbara Klemm, Leonid Breschnew, Willy Brandt, Bonn, 1973.

Viele ihrer Fotografien haben sich mittlerweile tief in das Bildgedächtnis der Deutschen eingeschrieben und sind zu wichtigen Ikonen der Zeitgeschichte geworden. Dazu zählt zum Beispiel das weltbekannte Foto von Leonid Breschnew und Willy Brandt in Bonn 1973 oder die Rede von Helmut Kohl in Dresden kurz nach dem Mauerfall im Dezember 1989. Die Reportage-Fotografin interessiert sich aber nicht nur für die großen Ereignisse, sondern insbesondere für die scheinbar unaufgeregten Situationen des Alltags, die sie mit Einfühlungsvermögen festhält.

Barbara Klemm beim Filminterview.

Barbara Klemm wurde bei ihrem Besuch im Städel von unserem Filmteam begleitet, denn demnächst werden wir einige Arbeiten der herausragenden Fotografin in der Videoreihe „Kunst nach 1945“ auf unserem Städel-Blog vorstellen.

Gudrun Herz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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