Neu im Städel Museum: Andreas Gurskys Fotografie „Paris, Charles de Gaulle”
10.08.2011
„Ich arbeite an einer Enzyklopädie des Lebens“, so äußerte sich der Fotograf Andreas Gursky 2007 im Magazin Stern über seine Arbeitsweise. Dieses ambitionierte Projekt begann er bereits Mitte der 1980er-Jahre. Mittlerweile gehört der gebürtige Leipziger zu den weltweit bekanntesten zeitgenössischen Fotografen. Mit der Übergabe von über 200 Werken aus der der DZ BANK Kunstsammlung kommt nun eines seiner frühen großformatigen Arbeiten in die Sammlung des Städel: „Paris, Charles de Gaulle“ von 1992 wird ab Ende Februar in den neu eröffneten Gartenhallen präsentiert.

Andreas Gursky, Paris, Charles de Gaulle, 1992, C-Print, 165 x 200 cm (gerahmt), (c) Courtesy: Monika Sprüth / Philomene Magers / VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Eine seltsame Schwerelosigkeit geht von Andreas Gurskys Flughafenbild „Paris, Charles de Gaulle“ aus. Überdachte Rolltreppen gruppieren sich in einem offenen Atrium, am Boden sprudelt ein Springbrunnen, in der Bildmitte herrscht erschreckende Leere. Überall bewegen sich Menschen und trotzdem erscheint der wichtigste europäische Verkehrsknotenpunkt seltsam ruhig. Andreas Gursky sucht sich die Orte, die er fotografiert, sehr genau aus. Interessiert am Zusammenspiel von Makrostrukturen und Mirkokosmos findet er Motive, die er als Bildidee bereits vorher im Kopf hat, in der Realität wieder. Mit einer perfektionistischen Genauigkeit und einem komplexen Verfahren schafft er zugespitzte und verdichtete Formen – eine neue Hyperrealität, gespickt mit Elementen des Fiktiven.
Die manipulierte Wirklichkeit, die vorallem in Gurskys späteren Werken zum Tragen kommt, ist insbesondere seiner Arbeitsweise geschuldet. Mit einer analogen Großbildkamera fotografiert, werden die gescannten Abzüge am Computer montiert, Bildausschnitte übereinandergelagert, während andere Details verschwinden. Gemeinsam mit seinem Bildbearbeiter feilt Gursky an der komplexen Gesamtkomposition, der Stimmigkeit von Perspektive und Licht. Charakteristisch für Gursky ist auch die Präsentationsart seiner Fotografien: im sogenannten Diasec-Verfahren wird der Fotoabzug mit Silikon auf eine Plexiglasscheibe kaschiert. So rücken seine extrem großformatigen Fotografien von der Wand ab und scheinen im Raum zu schweben.
Andreas Gursky studierte an der Kunstakademie in Düsseldorf und gehört mit Thomas Struth, Axel Hütte, Candida Höfer und Thomas Ruff zu den Schülern von Bernd und Hilla Becher, die die deutsche Fotografie mit einer konzeptuellen und formalistischen Formsprache entscheidend geprägt haben. Schon sehr früh kam der Künstler in Kontakt mit Fotografie, denn sowohl sein Vater als auch sein Großvater waren Werbefotografen von Beruf. Gursky begann mit Kleinformaten, bis er Anfang der 1990er-Jahre mit der großformatigen, digital bearbeiteten Farbfotografie seinen Durchbruch erlangte. Auf dem Kunstmarkt erzielen Gurskys Werke derzeit Rekordpreise, seine Arbeit „99 Cent II Diptychon“ wurde 2006 als eines der teuersten Fotografie aller Zeiten verkauft.
Gudrun Herz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit












