Dritter Teil der Serie zur Baugeschichte des Städel Museums: Der Gartenflügel

04.02.2010

Die Anfänge des Städel Museums am Roßmarkt und in der Neuen Mainzer Straße sowie den 1878 entstandenen Neubau am Museumsufer haben wir Ihnen in den ersten beiden Teilen der Serie vorgestellt. Doch auch der Platz im Oskar-Sommer-Bau am Schaumainkai reichte Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr aus. Die erste Erweiterung – den Bau des Gartenflügels – stellen wir Ihnen heute vor.

Der Gartenflügel, um ??

Historische Aufnahme vom Gartenflügel

Erste Erweiterung des Gebäudes am Schaumainkai

Seit 1878 befand sich das Städelsche Kunstinstitut nun in dem eigens für den Museumszweck errichteten Gebäude am Mainufer. Doch schon bald sollte die Ausstellungsfläche für die Präsentation der umfangreichen und wachsenden Bestände nicht mehr ausreichen. Zur stetigen Vergrößerung des Sammlung hatte nicht zuletzt der 1899 gegründete Städelsche Museums-Verein maßgeblich beigetragen. Durch die Gründung der in das Städel Museum integrierten Städtischen Galerie im Jahr 1907 wurde der Bestand zeitgenössischer Gemälde wesentlich vermehrt. Die erste Erweiterung des Gebäudes am Schaumainkai wurde unumgänglich.

Die Architektur des Gartenflügels

1912 schrieb die Administration des Städel den Wettbewerb für einen Anbau aus, den die Architekten Hermann von Hoven und Franz Heberer gewannen. Die Entwürfe sahen einen parallel zum Altbau platzierten Trakt vor, der sich an die Südseite des Mainflügels von Oskar Sommer zum Garten hin anschloss. Die Architekten gestalteten den Gartenflügel etwas zurückhaltender als den Sommer-Bau. Sie griffen klassizierende und altägyptisch inspirierte Formen auf und verblendeten die Fassade mit hellem und dunklem Stein.

Im Mai 1915 wurde mit dem Bau des Gartenflügels begonnen. Kriegsbedingt wurden die Arbeiten im Rohbau Ende 1916 eingestellt und erst nach 1918 erneut aufgenommen. Das Obergeschoß des neuen Gartenflügels wurde im November 1920 fertig gestellt und am 21. Mai 1921 mit der Präsentation von Gemälden des 19. und 20. Jahrhunderts aus dem Besitz der Städtischen Galerie und des Städelschen Kunstinstituts eröffnet. 1925/26 folgte der endgültige Ausbau des Untergeschosses mit Eingangshalle und Vortragssaal.

Julia Boberski, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Von das neue staedel, Permalink, 2 Kommentare

Zweiter Teil der Serie zur Baugeschichte des Städel Museums

30.12.2009

Im ersten Teil der Serie haben wir den Beginn des Städel Museums am Roßmarkt und den ersten Umzug in die Neue Mainzer Straße vorgestellt. Heute erfahren Sie, wie das Städel Ende des 19. Jahrhunderts in das eigens errichtete neue Gebäude am südliche Mainufer umzog und so den Standort gefunden hat, den wir heute alle kennen.

Erste Überlegungen für einen Neubau

In den Jahren nach dem Umzug in die Neue Mainzer Straße 1833 vergrößerten sich die Bestände an Gemälden, Zeichnungen und Graphiken kontinuierlich. Der Platz für Galerie und Kunstschule reichte kaum noch aus, auch die Zahl der Schüler und Lehrer war gestiegen. Bereits 1852 holte die Städel-Administration Pläne für einen Neubau an der alten Stelle in der Neuen Mainzer Straße ein. Neben dem Architekten Friedrich Maximilian Hessemer reichten Heinrich Hübsch sowie der von 1840 bis 1861 als Städel-Inspektor tätige Johann David Passavant Entwürfe ein. Da ein Um- und Neubau nur für kurze Zeit Abhilfe geschaffen hätte und mit großem Aufwand verbunden gewesen wäre, wurden die Pläne jedoch wieder zurückgestellt. Schließlich entschied man sich für die Realisierung eines Museumsneubaus an einem völlig neuen Standort.


Neuer Standort am Mainufer

Historische Außenansicht (Mainseite)

Die Hauptfassade des Städel am südlichen Mainufer um 1900

Erst 1873 jedoch konkretisierte sich der Neubau. Endlich war der ideale Standort gefunden: ein großes Grundstück in freier Lage am südlichen Mainufer, auf dem nun Galerie und Schule in getrennten Gebäuden untergebracht werden konnten. Die Administration beauftragte die Frankfurter Architekturbüros Oskar Sommer und die Sozietät Mylius & Bluntschli mit der Anfertigung von Plänen. In einer knappen Entscheidung fiel die Wahl auf den Entwurf von Oskar Sommer.


Die Architektur des Neubaus

Der Situationsplan mit der Galerie im Vordergrund und der Kunstschule im Hintergrund, dazwischen der weiträumige Städel-Garten, um 1872, Oskar Sommer

Der Situationsplan mit der Galerie im Vordergrund und der Kunstschule im Hintergrund, dazwischen der weiträumige Städel-Garten, um 1872, Oskar Sommer

Oskar Sommer sah für die Galerie und die Kunstschule zwei getrennte Gebäude vor. Das Galeriegebäude basiert auf einem Kreuzgrundriss, von dem sich jedoch nur der östliche und der westliche Arm weitläufig erstrecken. Den nördlichen Arm verkürzte Sommer zum Verkehrs- und Verwaltungstrakt, den südlichen noch deutlicher zum Eingangsportal. Stilistisch folgte der Architekt der Neorenaissance und bediente sich der Formen der venezianischen Renaissance. Der Entwurf für das Städel orientierte sich stark an den Plänen für die Dresdner Gemäldegalerie von Gottfried Semper – Sommers Lehrer an der berühmten Züricher Semper-Schule. Die Fassade des Städel wurde mit einfarbigem Sandstein verkleidet. Zum Mainufer setzte Sommer im Erdgeschoss Bogenfenster ein. Die Fenster im Obergeschoss wurden komplexer gestaltet – Sommer trennte sie durch je zwei ionische Säulen. Statuen von Dürer und Holbein rechts und links des Eingangsportals sollten auf die Funktion des Gebäudes hinweisen. Das neue Museumsgebäude am Mainufer wurde in der Zeit zwischen 1874 und 1878 erbaut.


Postkarte mit einer Ansicht auf die Gartenseite des Städelschen Kunstinstituts, Foto: Stadtarchiv Frankfurt am Main

Postkarte mit einer Ansicht auf die Gartenseite des Städelschen Kunstinstituts, Foto: Stadtarchiv Frankfurt am Main

Sommers Städel-Bau gilt als Vorläufer des Frankfurter Opernhauses von 1880 und des Hauptbahnhofs. Neben dem Museumsbau am Mainufer war Sommer in Frankfurt für den Neubau der Wertpapierbörse von 1879 verantwortlich, den er gemeinsam mit dem Architekten Heinrich Burnitz entwarf. Darüber hinaus leitete Oskar Sommer von 1869 bis 1894 die Architekturklasse der Städelschule.

Julia Boberski, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Von das neue staedel, Permalink, 0 Kommentare

Start der Serie zur Baugeschichte des Städel Museums

06.11.2009

Das Städel Museum hat eine bewegte architektonische Geschichte. Wie sich das Gebäude über die Jahrhunderte verändert hat und welche Standorte es vor dem Museumsufer gab, stellen wir Ihnen in einer Serie vor. Über die Anfänge des Museums in der Frankfurter Innenstadt erfahren Sie heute mehr.

Das Städel am Roßmarkt

Die Westeite des Roßmarktes in Frankfurt aus einem Panorama von Karl Peter Burnitz, um 1860 (heute im Historischen Museum Frankfurt). Das mittlere der drei Häuser (Nr. 18) hatte Städel für sich und seine Sammlungen 1782 gebaut; es diente dem Institut noch bis zum Umzug in die Neue Mainzer Straße 1833

Die Westeite des Roßmarktes in Frankfurt aus einem Panorama von Karl Peter Burnitz, um 1860 (heute im Historischen Museum Frankfurt). Das mittlere der drei Häuser (Nr. 18) hatte Städel für sich und seine Sammlungen 1782 gebaut; es diente dem Institut noch bis zum Umzug in die Neue Mainzer Straße 1833

Der Frankfurter Bürger und Handelsmann Johann Friedrich Städel wohnte mit seiner Kunstsammlung im Haus „Zum Goldenen Bären“ am Roßmarkt. Dieses hatte er sich 1782 an der Westseite erbauen lassen. Nach Städels Tod 1816 blieb seine Sammlung, über die er 1815 in seinem Stiftungsbrief verfügt hat, sie möge gemeinsam mit einer zu gründenden Kunstschule der Öffentlichkeit dienen, zunächst dort ausgestellt. Doch Städel selbst hatte die Administratoren des Kunstinstituts noch angewiesen, ein größeres Gebäude für Museum und Schule zu finden. Zunächst war das „Rothe Haus“ auf der Zeil im Gespräch – ein großes Barockgebäude mit vielen Nebenbauten. Da jedoch Umbauten an dem Gebäude nicht erlaubt waren, zerschlug sich diese Standortüberlegung.


Umzug in die Neue Mainzer Straße

Das alte Städelsche Kunstinstitut von der Gartenseite Neue Mainzer Straße 47-49 aus der Zeit um 1885 (Historisches Museum Frankfurt, Foto: Horst Ziegenfusz)

Das alte Städelsche Kunstinstitut von der Gartenseite Neue Mainzer Straße 47-49 aus der Zeit um 1885 (Historisches Museum Frankfurt, Foto: Horst Ziegenfusz)

Nachdem ein elf Jahre andauernder Prozess, in dem entfernte Verwandte Städels dessen Testament anfochten, abgeschlossen werden konnte, erwarb die Städel-Administration 1829 das Haus Vrints-Treuenfeld in der Neuen Mainzer Straße – damals noch in Stadtrandlage. Die klassizistische Villa mit Orangerie und Park war 1809 von Stadtbaumeister Friedrich Heß erbaut worden. Um den Bedürfnissen von Museum und Kunstschule gerecht zu werden, wurde das Gebäude von Friedrich Maximilian Hessemer, der von 1829 bis 1860 auch die Architekturklasse der Städelschule leitete, umgebaut und erweitert.


Das alte Städelsche Kunstinstitut in der Neuen Mainzer Straße, Straßenseite

Das alte Städelsche Kunstinstitut in der Neuen Mainzer Straße, Straßenseite

Auf die niedrigeren Seitenteile des Gebäudes an der Neuen Mainzer Straße wurden Oberlichtsäle aufgesetzt. Durch die Erweiterung eines Flügels an der Südseite in den Garten hinein wurden weitere Flächen gewonnen. Bei der Gestaltung der Fassade zur Straßenseite setzte Hessemer im Obergeschoss blinde Rundbögen als dekorative Blendgliederung ein, nur der Mittelteil verfügte über Fensteröffnungen. Die Fensteröffnungen im Erdgeschoss wurden durch vertikale Stützen gegliedert. Im Inneren schmückten Wand- und Deckenbilder von Philipp Veit, zu dieser Zeit „Vorsteher der Malschule und Direktor der Galerie“, und Dekorationen des Architekten Hessemer das umgebaute Gebäude. Einen Saal zierte Veits Freskenzyklus „Die Einführung der Künste in Deutschland durch das Christentum“.

Nach Fertigstellung der Umbaumaßnahmen zogen Museum und Schule 1833 schließlich in das Haus an der Neuen Mainzer Straße. Lange sollte der Platz jedoch nicht ausreichen – mehr dazu im nächsten Teil der Serie zur Städel-Baugeschichte.

Julia Boberski, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Von das neue staedel, Permalink, 0 Kommentare