Der Videokünstler William Kentridge im IG-Farben-Haus
19.04.2011
Seit 2010 kooperiert das Städel Museum mit dem Historischen Seminar der Frankfurter Goethe Universität. Zeitgenössische Videokunst zum Thema „Geschichtspolitik, Gedächtniskultur und Bildgebrauch“ wurde im vergangenen Semester von Studierenden, Professoren und Städel-Mitarbeitern lebendig diskutiert. Einer der Seminar-Filme „Zeno Writing“ des südafrikanischen Filmemachers William Kentridge wird nun in der „Studiengalerie 1.357“ präsentiert. Wer mehr über den renommierten Künstler und seine fantastisch animierten Zeichnungen wissen möchte, ist herzlich zur Ausstellungseröffnung am 20. April 2011, um 20 Uhr eingeladen. Es sprechen Dr. Martin Engler, Leiter der Sammlung Kunst nach 1945 am Städel Museum, und die Seminarteilnehmerinnen Adela Demetja und Vivien Trommer.
Seit nahezu 20 Jahren schafft der 1955 in Johannesburg geborene Zeichner, Animationsfilmer und Theaterregisseur William Kentridge multimediale Videoprojektionen, die Formen des Puppentheaters mit animierten Kohlezeichnungen kombinieren. Im Film „Zeno Writing“, der 2001 als Auftragsarbeit für die documenta XI entstand, setzt sich Kentridge auf mehreren Ebenen mit dem Bild als Medium und Erinnerung als Bild auseinander.
Kentridges Film gibt Rätsel auf: Erzählt wird die Geschichte eines in Ängsten und Sehnsüchten gefangen jungen Mannes vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges, der rasanten Industrialisierung und der gesellschaftlichen Transformation des beginnenden Jahrhunderts. Verschlüsselte Kohlezeichnungen werden mit Schrift zu Symbolen verwoben, Scherenschnitte und Projektionen setzt Kentridge zu wunderbaren Traumwelten zusammen. Dazwischen schneidet der Künstler Archivmaterial und reale Videos und kreiert aus dem gesamten Filmmaterial eine poetische, traumähnliche Bildsprache mit zahlreichen Referenzen zu berühmten Kinofilmen.
Die Filmmusik spielt dabei eine herausragende Rolle: In „Zeno Writing“ bestimmen langsame, düstere Klänge klassischer Musik die ersten Szenen, gefolgt von melodischem Gesang, der in wütendem Crescendo ansteigt. Geräusche von schreibenden Stiften und den Anschlägen alter Schreibmaschinen übertönen die orchestrale Inszenierung. Im Zusammenspiel von Musik und Bild wird die Geschichte als ein breitgefächertes Panorama präsentiert.
„Ich glaube, dass die Unbestimmtheit der Zeichnung, die Zufälligkeiten, mit denen Bilder in ein Werk gelangen, ein Modell dafür liefert, wie wir unser Leben führen“, so Kentridge über seine Arbeit. Erinnerung, Geschichte und Subjektivität sind im audio-visuellen Drama von „Zeno Writing“ untrennbar miteinander verknüpft – nicht statisch und abgeschlossen, sondern in einem sich beständig wandelnden, dynamischen Prozess.
Mehr von William Kentridge wird ab Februar 2012 in der Sammlung der Gegenwartskunst des neuen Städel präsentiert. Die Video-Ausstellung im IG-Farben-Haus auf dem Campus Westend ist bis zum 2. Juni 2011 in der „Studiengalerie 1.357“ zu sehen.
Vivien Trommer, Studiengruppe „Geschichtspolitik, Gedächtniskultur und Bildgebrauch“























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