Städel Museum entdeckt bedeutendes Werk von Jean-Léon Gérôme

22.08.2011

Download PDF

Im Kontext der Bearbeitung der eigenen Sammlungsbestände im Bereich des 19. Jahrhunderts im Vorfeld der Wieder- und Neueröffnungen des Städel Museums ist ein wichtiges Gemälde des französischen Salonmalers Jean-Léon Gérôme (1824–1904) entdeckt worden. Das Bild zeigt den ruhenden Hieronymus angelehnt an einen Löwen, das Attribut des Heiligen. Nach einer umfassenden Restaurierung wird das Gemälde erstmals ab dem 17. November 2011 im Rahmen der Neupräsentation der Sammlung “Kunst der Moderne“ im Städel zu sehen sein. Das letzte Mal wurde das Werk 1882 in London ausgestellt.

Jean-Léon Gérôme, Der Heilige Hieronymus, 1874, Öl auf Leinwand, 69 x 93 cm.

Jean-Léon Gérôme (1824–1904) gehörte zu den erfolgreichsten Künstlern der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seine Bilder finden sich in den Schausammlungen der größten amerikanischen, britischen und französischen Museen. In Deutschland verfügte bislang nur die Hamburger Kunsthalle über Werke dieses in den letzten Jahren erneut in den Fokus der Aufmerksamkeit gelangten Künstlers. Die 2010/2011 im Getty Museum in Los Angeles, im Musée d’Orsay in Paris und im Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid gezeigte Gérôme-Retrospektive belegt den hohen Stellenwert, den dieser Star des Salons des 19. Jahrhunderts heute erneut genießt.

Jean-Léon Gérômes Der heilige Hieronymus wurde dem Städel 1935 von den Erben Otto Haucks geschenkt. In den Wirren der NS-Zeit und des Zweiten Weltkrieges wurde das von der Bankiersfamilie gestiftete Gemälde nicht inventarisiert und näher bezeichnet, sondern nur mit einer Eingangsnummer versehen. Im Kontext der derzeitigen Arbeiten zur Wieder- und Neueröffnung aller Sammlungsbereiche des Städel Museums wurde das Gemälde von Dr. Felix Krämer, Sammlungsleiter der Kunst der Moderne, als kapitales Werk von Gérôme erkannt. In den letzten Monaten wurde das Gemälde in der Restaurierungswerkstatt des Städel Museums durch Christiane Haeseler behutsam restauriert und konserviert. Wenn am 17. November 2011 der renovierte Gartenflügel des Städel-Altbaus mit der völlig neu gestalteten Sammlungspräsentation “Kunst der Moderne“ (1800 bis 1945) seine Pforten öffnen wird, wird Gérômes Heiliger Hieronymus erstmals wieder der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Das Gemälde “Der heilige Hieronymus [Saint Jérôme]” entstand 1874 auf dem Höhepunkt von Gérômes Karriere. Wie kein Zweiter verbindet der Künstler in seinem Œuvre maltechnische Perfektion mit der Schwüle sentimentaler Historienmalerei und den Klischeevorstellungen vom Orient. Die Namensverwandtschaft zwischen dem Heiligen – französisch Jérôme – und dem Maler erlaubt eine ironische Lesart. In dem wiederentdeckten Gemälde zeigt Gérôme eine technische Meisterschaft, die selbst vor dreckigen Fingernägeln und dem Schmutz unter den Füßen des Heiligen nicht haltmacht.

Axel Braun, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Von das neue staedel, Permalink, 0 Kommentare

Meisterwerke kehren zurück ans Städel

29.07.2011

Download PDF

Diese Woche kehrten rund 100 Gemälde und Skulpturen aus der Sammlung des Städel Museums aus Rom zurück. Dort waren sie im Rahmen der Ausstellung „Meisterwerke des 19. und 20. Jahrhunderts aus der Sammlung des Städel Museums“ im Palazzo delle Esposizioni zu sehen. Mit insgesamt 92.000 Besuchern wurde die Ausstellung, die einen hochkarätigen Überblick über die wichtigsten Kunstströmungen von der Romantik bis zum Expressionismus gab, ein großer Erfolg. Die Meisterwerke werden im Rahmen der Neupräsentation des Sammlungsbereichs „Kunst der Moderne“ ab 17. November wieder im Städel zu bewundern sein.

Die Werke werden nach ihrer Ankunft genau untersucht.

In der Ausstellung waren zahlreiche Highlights der Städel-Sammlung vertreten, darunter der weltbrühmte Goethe von Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins, Franz Marcs „Liegender Hund im Schnee“, Pablo Picassos „Fernande Olivier“ sowie ein Konvolut aus zehn Gemälden und einer Skulptur von Arbeiten Max Beckmanns, das in seiner Qualität einmalig ist.

Mitarbeiter entfernen die Schutzfolie von Picassos "Bildnis Fernande Olivier", 1909.

Anlieferung der Bilder in Klimakisten.

Die Präsentation im Palazzo delle Esposizioni in Rom bildete den Abschluss einer Ausstellungstournee. Davor waren die Sammlungsbestände in der Fondation de l’Hermitage in Lausanne, der National Gallery of Victoria, Melbourne und dem Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa, Wellington zu sehen.

Für den Transport werden die Werke speziell gesichert.

Neben der Sammlungspräsentation der Werke des 19. und 20. Jahrhunderts hat das Städel eine weitere Ausstellungstournee mit hochrangigen Werken der holländischen und flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts zusammengestellt, die bereits in Bilbao und Tokyo zu sehen war und derzeit in Aichi, Japan, gezeigt wird. Diese Gemälde werden Anfang September in Frankfurt eintreffen.

Mit den Ausstellungstourneen hat das Städel die Chance ergriffen, seine Sammlung während der Umbauphase einem breiten internationalen Publikum vorzustellen.

Gudrun Herz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Von das neue staedel, Permalink, 0 Kommentare

Abschied bei der DZ BANK Kunstsammlung: Ein Interview mit Luminita Sabau und Christina Leber von der DZ BANK Kunstsammlung, Teil 2

15.07.2011

Download PDF

Wir sprachen mit Luminita Sabau und Christina Leber über die Besonderheiten der DZ BANK Kunstsammlung, die Kooperation mit dem Städel Museum und über zukünftige Projekte.
 

Übergabe der DZ BANK Werke an das Städel Museum, 2008 (v.l.n.r. Max Hollein, Felix Semmelroth, Luminita Sabau, Wolfgang Kirsch, Nikolaus Schweickart)

Teil 2
 
Was ist für Sie das Besondere im Umgang, im Aufbau und in der Vermittlung der DZ BANK Unternehmenssammlung?

Leber: Grundsätzlich muss man dabei immer zwischen interner Vermittlung – z. B. an unsere Mitarbeiter – und Vermittlung der Sammlung nach außen, an die breite Öffentlichkeit unterscheiden. Momentan sind wir in den letzen Zügen der Vorbereitung für eine neue Wanderausstellung. In „Road Altas“ zeigen wir Straßenfotografie aus der DZ BANK Kunstsammlung. Als erstes ist die Ausstellung in den Opelvillen in Rüsselsheim zu sehen, dann wandert sie weiter an unterschiedliche Standorten in ganz Deutschland, bis sie 2014 wieder zurück nach Frankfurt kommt.

Die Vermittlung für Mitarbeiter der DZ BANK ist uns eine Herzensangelegenheit. Wir machen Mitarbeiter-Führungen in den Etagenausstellungen, im ART FOYER oder in Ausstellungen, die außer Haus stattfinden, wie zum Beispiel bei „REAL – Fotografien aus der Sammlung der DZ BANK“ im Städel im Jahr 2008. Diese Ausstellung, die zum 125-jährigen Bestehen der Bank stattfand, hat über die Hälfte unserer Belegschaft besucht. Außerdem gibt es Workshops für Kinder von Mitarbeitern. Jeder der in der DZ BANK zu arbeiten beginnt, hat sofort Kontakt mit unserer Sammlung.

Was bedeutet es für Sie und die DZ BANK, einen Teil der Sammlung im Museum zu wissen?

Sabau: Die Übergabe der Werke an das Städel Museum war für uns eine große Anerkennung der wissenschaftlichen Leistung, die wir hier erbracht haben. Es ehrt uns sehr, dass das Museum Teile der Sammlung übernommen hat. Auch die Mitarbeiter bekommen dadurch eine Vorstellung des ideellen Wertes unserer Sammlung. Für uns ist das auch kein Aderlass, denn wir können zukünftig gegenseitig auf die Werke zurückgreifen. Zum Beispiel hat das Städel dadurch die Möglichkeit, ihre Ausstellungen mit weiteren temporären Leihgaben zu ergänzen.

Es war immer unsere Absicht, die Fotografie von der Gosse auf die Mainstreet der Kunst zu bringen. Einen meiner dringlichsten Wünsche habe ich schon im ersten Konzept formuliert, das war die Verbindung von Fotografie mit Malerei. Die Erfüllung des Wunsches wird uns jetzt im Städel gelingen.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Städel?

Sabau: Die DZ BANK hatte den Wunsch, die Sammlung weiter in die Öffentlichkeit zu bringen. Wir hatten die Möglichkeit, das ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung zu eröffnen, wo wir regelmäßig Ausstellungen mit Werken aus unserer Sammlung und Gastausstellungen ausrichten. Aber mein Anliegen war es auch, eine Public Private Partnership ins Leben zu rufen. Nach kurzer Zeit kamen wir mit Max Hollein ins Gespräch, der diese Angelegenheit sehr aktiv betrieben hat. Die Kooperation gestaltet sich ausgezeichnet.

Leber: Wir stehen aufgrund einer gemeinsamen Ausstellung im Januar 2012 im ART FOYER in sehr gutem und intensivem Kontakt mit Martin Engler, dem Sammlungsleiter für Gegenwartskunst im Städel Museum. Ich finde es sehr bemerkenswert, dass unsere Sammlungsstrategie im Städel Bestätigung finden wird, denn in den neuen Ausstellungshallen werden Fotografie und Malerei nebeneinander hängen. Das wird in einer Dauerausstellung zum ersten Mal so sein. Die Fotografin Gisèle Freund sprach schon in den 1970er-Jahren davon, dass die Fotografie in der Kunst angekommen sei. Für mich ist das aber erst jetzt der Fall. Es hat doch relativ lange gedauert.

Frau Leber, haben Sie ein Lieblingsbild aus der Sammlung?

Leber: Nein, das kann man nicht auf ein Bild reduzieren. Als ich in der DZ BANK Kunstsammlung anfing, haben mich einige Serien total kalt gelassen, die ich heute liebe. Das hat auch immer etwas mit der persönlichen Entwicklung zu tun, mit der Tagesform oder dem Moment, welches das liebste Bild ist.

Frau Sabau, Sie sind eine ausgezeichnete Expertin für zeitgenössische Kunst und Fotografie, was hängt bei Ihnen zu Hause an den Wänden?

Ich habe ein paar kleinere Arbeiten, die mir Künstler geschenkt haben. Zu den Fotografien habe ich eine emotionale Beziehung, ich möchte sie nicht mit Arbeiten aus der DZ BANK Kunstsammlung vergleichen. Es sind eher persönliche Stücke.

Sie waren Sammlungsleiterin des DAM – Deutsches Architekturmuseum, anschließend im ZKM – Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, fast 20 Jahre lang leiteten Sie die Kunstsammlung der DZ BANK. Welche Herausforderungen warten noch auf Sie?

Sabau: Ich werde mir eine kreative Pause gönnen, ein Sabbatical, um herauszufinden, was die nächste Herausforderung sein könnte.

Wie wird es mit der DZ BANK Sammlung weitergehen, gibt es schon Projekte, auf die wir uns freuen können?

Leber: Seit 1996 arbeite ich – mit Pausen – für die DZ BANK. Ich habe nicht das Bedürfnis, etwas Grundlegendes zu ändern. Wir werden weiterhin vier Ausstellungen im Jahr im ART FOYER machen und die ein oder andere Ausstellung außerhalb der Bank. Auch an unserer Vermittlung nach innen werden wir festhalten. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Martin Engler, der im Januar hier eine Ausstellung kuratieren wird, um einen Brückenschlag für die Eröffnung des Städel-Erweiterungsbaus zu schaffen. Außerdem bin ich sehr gespannt auf die Präsentation der DZ BANK Kunstsammlung, die ab Februar 2012 im Städel zu sehen sein wird. Das ist eine wunderbare Bereicherung für das Spektrum der Sammlung.

Das Interview führte Gudrun Herz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Von das neue staedel, Permalink, 0 Kommentare

Abschied bei der DZ BANK Kunstsammlung: Ein Interview mit Luminita Sabau und Christina Leber

12.07.2011

Download PDF

Nach fast 20 Jahren gibt Luminita Sabau die Leitung der von ihr aufgebauten DZ BANK Kunstsammlung ab, ihre Nachfolgerin Christina Leber ist seit letzter Woche im Amt. Wir sprachen mit den beiden Kunsthistorikerinnen über die Besonderheiten der DZ BANK Kunstsammlung, die Kooperation mit dem Städel Museum und über zukünftige Projekte.

Foto: Michael Frank

Teil 1

Frau Sabau, Sie haben die DZ BANK Kunstsammlung für zeitgenössische Fotografie aufgebaut und in den letzen 20 Jahren maßgeblich geprägt. Anfang der 1990-er Jahre war zeitgenössische Fotografie noch nicht so populär wie heute. Wie hat alles mit der DZ BANK Kunstsammlung angefangen?

Sabau: Die Entscheidung für zeitgenössische Fotografie war keiner persönlichen Vorliebe geschuldet. Wir wollten 1992/93 ein Alleinstellungsmerkmal für die Sammlung schaffen, um unser Engagement klar zu positionieren. Deshalb haben wir eine Marktstudie in Auftrag gegeben, auf deren Grundlage wir feststellen konnten, was vergleichbare Institute sponsern oder in welchen Bereichen sie sammeln. Die Markstudie hat ergeben, dass zwei Bereiche in der zeitgenössischen Kunst noch nicht institutionell besetzt waren: Fotografie und neue Medien. Das traf sich gut mit meiner letzten Museumsposition im ZKM in Karlsruhe. Dort war ich für die Kunstsammlung verantwortlich, die neue Medien und Fotografie beinhaltete – sozusagen eine glückliche Fügung. Mein Konzept für die DZ BANK Kunstsammlung, damals noch DG Bank, beinhaltete verschiedene Überlegungen, u.a. wie Kunst im Unternehmenskontext implementiert werden kann.

Wie konnten Sie damals die Bank überzeugen auf dieses relativ junge Medium zu setzen?

Sabau: Die DZ BANK sah sich trotz einer über 100-jährigen Geschichte als jung, fortschrittlich, technologieinteressiert und innovativ. Wir wollten aus der Gegenwart heraus in die Zukunft sammeln, das stand fest. Im Gegensatz zu einer Privatbank, zu der vielleicht eher die alten Meister gepasst hätten, entschieden wir uns für Fotografie. Und innerhalb des Mediums für einen sehr spezifischen Bereich, der damals noch nicht etabliert war: „Das Medium Fotografie in der zeitgenössischen Kunst“, so lautete auch der Titel des Konzepts.

In der Fotografie sahen wir die ideale Spiegelung unseres Selbstverständnisses. Geschmackliche Präferenzen haben dabei keine Rolle gespielt.

Erinnern Sie sich an das erste Kunstwerk, das für die DZ BANK Kunstsammlung angekauft wurde?

Sabau: Ja, das war ein Bild von Marie-Jo Lafontaine „Der Augenblick des Überlebens ist der Augenblick der Macht“, das Arbeit basiert auf einem Filmstill aus ihrer documenta-Arbeit „Les Larmes d’Acier“. Für ein erstes Bild in einem Unternehmenskontext war der Titel vielleicht ein bisschen gewagt, deswegen wollte der Vorstand es sehen. Ich habe dem damaligen Vorstandsvorsitzenden erläutert, warum das Bild für die Sammlung bedeutend ist und er war einverstanden. Das war das erste und einzige Mal, dass jemand an unseren Ankaufentscheidungen beteiligt war.

Was macht die Unternehmenssammlung der DZ BANK aus, was sind die Merkmale, was muss und was kann sie leisten?

Leber: Ein wesentliches Merkmal der DZ BANK Kunstsammlung ist die Orientierung an den fotografischen Genres, darunter Portrait, Landschaft, Veduten, Stillleben usw. Durch diese Einteilung können wir die Fotografie in der zeitgenössischen Kunst und der Kunstgeschichte verorten und nachvollziehbar machen. Kunst ist immer auch selbstreferenziell, d. h. Künstler beziehen sich auf das, was im letzten Jahrzehnt, im vorigen Jahrhundert oder vor 1000 Jahren passiert ist. Genau das wollen wir mit der Sammlung abbilden.

Nach welchen Kriterien werden die Kunstwerke in die DZ BANK Kunstsammlung aufgenommen?

Leber: Zunächst muss das Kunstwerk in die Richtlinien passen, über die wir bereits gesprochen haben. In diesem Gerüst kann man sich ganz gut bewegen. Es war der DZ BANK immer ein Anliegen, junge Künstler und Talente zu fördern. Vor einigen Jahren hat die DZ BANK Stipendien vergeben, zum Beispiel an Thomas Demand. Wie er haben sich viele Künstler seit damals wunderbar entwickelt.

Mit 6.000 Werken von fast 600 Künstlern gehört sie Sammlung der DZ BANK zu den wichtigsten Sammlungen für zeitgenössische Fotografie. Wie hält man eine Sammlung lebendig?

Leber: Ich würde das gern am Beispiel der aktuellen Ausstellung „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“ beschreiben. Wenn wir uns für ein Ausstellungsthema entscheiden, dann forschen wir nach wichtigen Positionen oder Aspekten, die zu diesem Thema in unserer Sammlung noch fehlen. Nach dieser Recherche gehen wir auf die Suche, auf Kunstmessen, in Galerien, bei Künstlern und ergänzen entsprechend, um alle Details abbilden zu können, zum Beispiel Materialien, die es heute in der Fotografie gibt, oder verschiedene künstlerische Herangehensweisen.

Sabau: In dieser Ausstellung sind einerseits Arbeiten, die wir bereits in den Anfängen der Kunstsammlung 1994 gekauft haben, zum Beispiel Fotografien von Thomas Wrede, andererseits aber auch neue Positionen. Ganz aktuell befindet sich in der Ausstellung ein Werk von Ulrich Gebert, das wir erst vor drei Wochen auf der Art Basel gekauft haben. Die Arbeit von Mona Mönnig stammt aus der Ausstellung „Gute Aussichten“, die Kunstabsolventen letztes Jahr in der DZ BANK gezeigt haben.

Gibt es auch verpasste Gelegenheiten, Situationen, in denen Sie nicht zugegriffen haben und Ihnen ein Kunstwerk „durch die Lappen ging“?

Sabau: Nein, es gibt wenige einmalige Gelegenheiten. Die Angebote wiederholen sich nach ein paar Jahren. Denn Fotografie in der zeitgenössischen Kunst wird in der Regel in Auflagen produziert, d.h. es gibt mehrere Exemplare desselben Bildes. Wir sind jetzt in der angenehmen Lage, auf einen Bestand zurückgreifen zu können, der so umfangreich ist, dass Lücken nicht so schmerzhaft sind. Natürlich haben wir immer noch Wünsche, die eine oder andere Fotografie mag ausverkauft sein, aber wir sind zuversichtlich, dass sie auf den Markt irgendwann wiederkommen.

Wie hat sich das Medium Fotografie in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Wie kann man das an Ihrer Sammlung ablesen?

Leber: Um es mit einer provokativen Hypothese zu versuchen: Die Fotografie ist aus der Technologieentwicklung des 19. Jahrhunderts entstanden. Physiker und Chemiker haben sich Jahrzehnte lang mit dem Abbildungsprozess beschäftigt. Die digitale Technik, die ja immer stärker in den Vordergrund zu treten scheint, rückt vom chemischen Verfahren weg zum geplotteten Ausdruck. Auf einem Tintenstrahldrucker hergestellte Bilder, die nicht wie gewohnt in einer Dunkelkammer entwickelt wurden, sondern am Computer bearbeitet sind und mit pigmentierter Tusche gedruckt werden, was hat das noch mit Fotografie zu tun? Es ist eine Weiterentwicklung und nähert sich im Verfahren wieder der Malerei oder vielleicht besser der Druckgrafik an. Das finde ich sehr interessant. Ich bin sehr gespannt, wie sich das weiter entwickeln wird. Es wird natürlich immer Künstler geben, die auf chemischen Verfahren bestehen, weil sie eine ganz andere Wirkung haben. So ähnlich wie das Hören einer Schallplatte oder eines MP3-File.

Sabau: Man darf die Diskussion über Fotografie dennoch nicht nur auf die Technik reduzieren. Es gibt natürlich auch Zwänge, die der Technik geschuldet sind, aber das steht für uns Kunsthistoriker nicht im Vordergrund. Die Entscheidung, ob eine Fotografie in die Sammlung kommt, hängt allein von der Qualität des Bildes ab.

Die Sammlung ist auch für Ihre Mitarbeiter von großer Bedeutung. Kunst in den DZ BANK Büros, kann man sich das aussuchen?

Leber: In den ersten Jahren konnten sich die Kolleginnen und Kollegen Kunst aus dem Depot aussuchen. Wir wissen allerdings, dass Tageslicht den Kunstwerken langfristig schadet. Deshalb gibt es qualitätvolle Drucke von unseren Arbeiten, die wir rahmen lassen und die in den Büros hängen können. Das hat den Vorteil, dass die Mitarbeiter sich nicht auf kleine Formate beschränken müssen, so kann man sich auch zum Beispiel einen Andreas Gursky aussuchen.

Das Interview führte Gudrun Herz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Von das neue staedel, Permalink, 0 Kommentare

Der Musterraum – neue Wandfarben für das Städel

15.06.2011

Download PDF

Wer kennt das nicht: Die Wohnung braucht einen neuen Anstrich, aber für welche Wandfarbe soll man sich entscheiden. Klassisch weiß oder doch mal eine Farbe ausprobieren? Auch bei der Inszenierung von Kunstwerken spielt die Wandfarbe des Ausstellungsraumes eine entscheidende Rolle. Welche Kriterien tragen zur finalen Farbauswahl von Sammlungspräsentationen und Ausstellungsinstallationen bei? Im sogenannten „Musterraum“ im Mainflügel des Altbaus verschaffen wir uns über dieses komplexe Thema einen ersten Einblick.

Im Musterraum werden die verschiedenen Wandfarben getestet.

Um die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die Kunstwerke zu richten und dabei den ganzen Raum im Blick zu haben, setzen sich der Museumsdirektor, die Sammlungsleiter und der Ausstellungsdienst im Vorfeld einer Präsentation intensiv mit verschiedenen Wandfarben und ihrer Wirkung auseinander und konzipieren einen Musterraum, der einen ersten Eindruck der unterschiedlichen Farb-Möglichkeiten vermittelt. Was in unserem Musterraum an eine Streifentapete erinnert, sind in Wirklichkeit die verschiedenen Farb-Optionen der neuen Ausstellungsräume.

Katja Hilbig, Leiterin des Ausstellungsdiensts, erklärt den Musterraum.

Das Zusammenspiel von Farbe und Licht spielt dabei eine zentrale Rolle – Lichteinfall, Sonnenlicht und Tageszeit bewirken eine enorme Veränderung des Farbausdrucks, besonders in den Ausstellungssälen in Alt- und Neubau, die mit Oberlicht beleuchtet werden. Je nach Lichteinfall verändert sich auch der Gesamteindruck des Raumes enorm. Weiß- oder Grautöne bekommen in der Wahrnehmung des Betrachters schnell einen gelblichen oder bläulichen Stich. Durch reines Weiß kann der Betrachter geradezu geblendet werden – denn je höher die Lux-Anzahl der Farbe, desto heller erscheint der Raum.

Farbtöne werden durch bestimmte Nummerierungen festgelegt.

Farbtöne werden über Farbfächer und bestimmte Nummerierungen festgelegt, so dass man sich international über einen Farbton verständigen kann. Trotzdem kann es je nach Hersteller unterschiedliche Farb-Nuancen kommen, die bei der Auswahl der Farbe ebenso berücksichtigt werden müssen.

Derselbe Farbton kann je nach Hersteller unterschiedlich aussehen.

Farbe löst auch bestimmte Assoziationen aus und verschafft eine gewisse Atmosphäre, die immer individuell auf die Kunstwerke abgestimmt werden muss. Die Farbwahl nach geografischen Schulen ist traditionell sehr beliebt, so greift man bei den Italienern gerne zur klassisch ästhetischen Variante und setzt auf Rot – eine höfische Farbe, die perfekt zu den Alten Meistern passt – wie zum Beispiel bei der Botticelli-Ausstellung.

Meistens geht es darum, ein gutes Mittelmaß finden, sodass alle Werke im Raum ihre Entsprechung finden und nicht durch zu dunkle, satte oder zu helle, knallige Farben in ihrer Wirkung „manipuliert“ werden. Das erfordert auch visuelles Gespür und viel Erfahrung in diesem Bereich.

Ausstellungsansicht der „Streitbilder“, 2007

Knallige Farben haben ihre ganz eigene Wirkung und können auch antithetisch zu den Inhalten eingesetzt werden, wie zum Beispiel 2007 bei unserer Ausstellung „Streitbilder. Szenen aus der Gründungsgeschichte des Städel“ im Kuppelsaal des Altbaus.

Eine Reproduktion des berühmten Tischbein-Goethes vor unterschiedlichen Grautönen dient als Entscheidungshilfe.

Vor welchen Farbhintergründen die Meisterwerke des Städel Museum gezeigt werden entscheidet sich in den nächsten Wochen. Wir können jetzt schon gespannt sein, was uns bei den Eröffnungen der einzelnen Sammlungsbereiche erwarten wird.

Sarah Heider, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Von das neue staedel, Permalink, 0 Kommentare

Ein Hörbuch für das neue Städel – Eine Artscapes-Story

18.05.2011

Download PDF

Das letzte Mal haben wir auf diesem Blog über die Städel-Baustelle gesprochen, heute wollen wir Euch etwas über unser Artscapes-Hörbuch erzählen. Hierfür waren wir in der vergangenen Woche wieder beim Hessischen Rundfunk und haben im Tonstudio an den Bildvertonungen gearbeitet. Es sind tolle Aufnahmen dabei herausgekommen. Aber fertig sind wir noch lange nicht. Das dauert noch – aber dann wird es richtig gut!

Artscapes im Tonstudio

Die Geschichte in dem Hörbuch handelt von einem Mädchen namens Tara. Sie ist 14 Jahre alt und wohnt mit ihrem Vater in Frankfurt. Ihr Papa ist Kurator im Städel Museum. Wisst ihr was ein Kurator ist? Wir wussten es am Anfang auch nicht. Das ist die Person, die die ganzen Ausstellungen im Museum plant. Tara wird in der Geschichte von Yasmin gesprochen.

Yasmin von Artscapes

Tara hat auch einen Freund namens Jacob, der sich mit Kunst überhaupt nicht auskennt. Sie kann ihm aber vieles erklären und wenn sie mal nicht weiter weiß, dann fragt sie jemanden, der im Museum arbeitet. Zum Beispiel den Kurator für die Kunst der Alten Meister, Prof. Dr. Jochen Sander, der übrigens auch dem Papa von Tara seine Stimme leiht.

Prof. Dr. Jochen Sander, Sammlungsleiter Alte Meister im Städel Museum

Die Hörbuch Story startet mit der Eröffnung des neuen Städel und Tara beginnt sich zu erinnern, was in den letzten Monaten alles passiert ist. Sie hat echt tolle Dinge erlebt, neue Kunstwerke kennen gelernt, mit unterschiedlichen Personen im Städel Museum gesprochen und hinter die Kulissen des Museums geschaut. Aber mehr werden wir euch hier nicht verraten.

Jakob, Anna und Kursleiterin Stefanie Bickel von Artscapes

Wenn Ihr mehr erfahren möchtet, hört Euch unser Audiofile an:


Ein Hörbuch für das neue Städel – Eine Artscapes-Story from Städel Museum on Vimeo.

Wir hoffen, es gefällt Euch.

Artscapes Städel Museum

Artscapes ist eine Zusammenarbeit von Städel Museum, Karg-Stiftung, Stiftung Zuhören des Hessischen Rundfunks und Horncastle – Verlag.

Von das neue staedel, Permalink, 0 Kommentare
vorherige Seite