Städel erhält bedeutende Foto-Sammlung

24.03.2011

Historische Fotografien, Seite an Seite mit Gemälden und Skulpturen – eine derartige Sammlungspräsentation hat es bisher in deutschen Museen nicht gegeben. Mit dem jüngst vom Städelschen Museums-Verein mit finanzieller Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Hessischen Kulturstiftung getätigten Ankauf der Fotografie-Sammlung von Uta und Wilfried Wiegand erhält das Städel die einzigartige Gelegenheit, Fotografie im Zuge der Neupräsentation der Sammlung der Moderne als integralen Bestandteil der Kunstgeschichte zu präsentieren. Ein Teil der Sammlung gelangte zudem als Schenkung des Ehepaars Wiegand in die Bestände des Museums. Die Sammlung Wiegand gehört zu den bedeutendsten Fotografie-Sammlungen und umfasst über 200 Arbeiten, darunter herausragende Einzelwerke von der Frühzeit der Fotografie über den Piktorialismus der Jahrhundertwende bis hin zur klassischen Moderne. Das Konvolut ist eine perfekte Ergänzung zu den 200 Werken der zeitgenössischen Fotografie, die das Städel 2008 aus der renommierten DZ BANK Kunstsammlung erhalten hat.

Edward Steichen, Modefoto, 1931

Das Ehepaar Wiegand sammelten seit den 1970er-Jahren Fotografien. Ihre unvergleichliche Sammlung zeigt die Entwicklung des Mediums beginnend mit den ersten Fotografien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Vertreten sind viele internationale Ikonen der Fotografiegeschichte, wie zum Beispiel Eugène Atget, Brassaï, Julia Margaret Cameron, André Kertész, Edward Steichen oder Alfred Stieglitz, um nur einige zu nennen. Schwerpunkte der Sammlung Wiegand sind Landschafts- und Architekturaufnahmen des 19. Jahrhunderts, Stadtansichten, Künstlerporträts, Reisefotografien sowie Aufnahmen archäologisch bedeutender Orte, die zunehmend an die Stelle der Reproduktionsgraphik traten.

Cecil Beaton, Lilian Gish

Durch den Erwerb der Sammlung Wiegand kann das Städel Museum ganz neue Bezüge innerhalb der eigenen Sammlung herstellen. So ist beispielsweise August Sanders Fotografie, die Otto Dix gemeinsam mit seiner Frau zeigt, ein perfektes Pendant zu Dix’ Gemälde seiner Familie, welches sich bereits in der Sammlung des Städel befindet.

Jedes Bild wird genau untersucht und sein Zustand von der Restauratorin Aimee Ducey-Gessner protokolliert.

Für den Transport wird das Rahmenglas mit Folie geschützt, dahinter verbirgt sich eine Fotografie von Dora Maar.

Zahlreiche Holzkisten mit den Fotografien wurden vor kurzem im Städel angeliefert. Die Bilder wurden von unseren Restauratoren genauesten begutachtet und alle Zustandsdetails in ein umfassendes Protokoll eingetragen. Anschließend wurden die Fotografien inventarisiert und bis zu ihrer Präsentation in der Sammlung der Moderne in den Depots des Hauses archiviert.

Städel-Kurator Dr. Felix Krämer und Ruth Schmutzler, Leiterin der Werkstatt für Graphikrestaurierung, begutachten die Fotos.


Dr. Felix Krämer mit dem Sammler Prof. Dr. Wilfried Wiegand.

Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Wilfried Wiegand befasst sich seit etwa 40 Jahren mit Fotografie. Der ehemalige Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb mehrere Bücher zur Geschichte der Fotografie und erhielt als anerkannter Foto-Experte im Jahre 2005 den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie.

Gustave Le Gray, Salut der französischen Flotte vor Cherbourg, 1858

Erstmals bewundern kann man die Sammlung Wiegand ab 17. November 2011 im Rahmen der Neupräsentation der ständigen Sammlung der Moderne, die im Altbau des Städel eröffnet wird.

Dr. Felix Krämer, Sammlungsleiter Moderne im Städel Museum

Von das neue staedel, Permalink, 0 Kommentare