Start der Serie zur Baugeschichte des Städel Museums
06.11.2009
Das Städel Museum hat eine bewegte architektonische Geschichte. Wie sich das Gebäude über die Jahrhunderte verändert hat und welche Standorte es vor dem Museumsufer gab, stellen wir Ihnen in einer Serie vor. Über die Anfänge des Museums in der Frankfurter Innenstadt erfahren Sie heute mehr.
Das Städel am Roßmarkt

Die Westeite des Roßmarktes in Frankfurt aus einem Panorama von Karl Peter Burnitz, um 1860 (heute im Historischen Museum Frankfurt). Das mittlere der drei Häuser (Nr. 18) hatte Städel für sich und seine Sammlungen 1782 gebaut; es diente dem Institut noch bis zum Umzug in die Neue Mainzer Straße 1833
Der Frankfurter Bürger und Handelsmann Johann Friedrich Städel wohnte mit seiner Kunstsammlung im Haus „Zum Goldenen Bären“ am Roßmarkt. Dieses hatte er sich 1782 an der Westseite erbauen lassen. Nach Städels Tod 1816 blieb seine Sammlung, über die er 1815 in seinem Stiftungsbrief verfügt hat, sie möge gemeinsam mit einer zu gründenden Kunstschule der Öffentlichkeit dienen, zunächst dort ausgestellt. Doch Städel selbst hatte die Administratoren des Kunstinstituts noch angewiesen, ein größeres Gebäude für Museum und Schule zu finden. Zunächst war das „Rothe Haus“ auf der Zeil im Gespräch – ein großes Barockgebäude mit vielen Nebenbauten. Da jedoch Umbauten an dem Gebäude nicht erlaubt waren, zerschlug sich diese Standortüberlegung.
Umzug in die Neue Mainzer Straße

Das alte Städelsche Kunstinstitut von der Gartenseite Neue Mainzer Straße 47-49 aus der Zeit um 1885 (Historisches Museum Frankfurt, Foto: Horst Ziegenfusz)
Nachdem ein elf Jahre andauernder Prozess, in dem entfernte Verwandte Städels dessen Testament anfochten, abgeschlossen werden konnte, erwarb die Städel-Administration 1829 das Haus Vrints-Treuenfeld in der Neuen Mainzer Straße – damals noch in Stadtrandlage. Die klassizistische Villa mit Orangerie und Park war 1809 von Stadtbaumeister Friedrich Heß erbaut worden. Um den Bedürfnissen von Museum und Kunstschule gerecht zu werden, wurde das Gebäude von Friedrich Maximilian Hessemer, der von 1829 bis 1860 auch die Architekturklasse der Städelschule leitete, umgebaut und erweitert.
Auf die niedrigeren Seitenteile des Gebäudes an der Neuen Mainzer Straße wurden Oberlichtsäle aufgesetzt. Durch die Erweiterung eines Flügels an der Südseite in den Garten hinein wurden weitere Flächen gewonnen. Bei der Gestaltung der Fassade zur Straßenseite setzte Hessemer im Obergeschoss blinde Rundbögen als dekorative Blendgliederung ein, nur der Mittelteil verfügte über Fensteröffnungen. Die Fensteröffnungen im Erdgeschoss wurden durch vertikale Stützen gegliedert. Im Inneren schmückten Wand- und Deckenbilder von Philipp Veit, zu dieser Zeit „Vorsteher der Malschule und Direktor der Galerie“, und Dekorationen des Architekten Hessemer das umgebaute Gebäude. Einen Saal zierte Veits Freskenzyklus „Die Einführung der Künste in Deutschland durch das Christentum“.
Nach Fertigstellung der Umbaumaßnahmen zogen Museum und Schule 1833 schließlich in das Haus an der Neuen Mainzer Straße. Lange sollte der Platz jedoch nicht ausreichen – mehr dazu im nächsten Teil der Serie zur Städel-Baugeschichte.
Julia Boberski, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit







