Hinter den Kulissen: Dr. Martin Engler berichtet von der Sotheby’s-Auktion für zeitgenössische Kunst in London am 10. Februar 2010
17.02.2010
Vergangene Woche besuchte Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter für Kunst nach 1945 im Städel Museum, die Sotheby’s-Auktion für zeitgenössische Kunst in London. Grund dafür war die Versteigerung von knapp 50 Werken der „Zero“-Bewegung aus der renommierten Sammlung Lenz Schönberg, die bei dieser Auktion unter den Hammer kamen. Bereits Anfang der 1970er-Jahre wurden vom damaligen Städel-Direktor Klaus Gallwitz wichtige Werke wie das Nagelbild Günther Ueckers, das Achrome Piero Manzonis, Rafael Jesús Soto „Vibration“ oder Lucio Fontanas „Concetto Spaziale“ aus dieser Sammlung für das Städel erworben. Martin Engler ist zwar angesichts der Rekordpreise, die die Werke erzielten, ohne Kunst, dafür aber mit einem interessanten Resumeé zurückgekehrt.

In der Sammlung des Städel Museums: Günther Uecker, Organische Struktur, 1962, © VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Die gute Nachricht zuerst: Die „Zero“-Sammlung des Städel Museums ist über Nacht – besser gesagt zwischen 18 und 20 Uhr des vergangenen Mittwochs – nicht unwesentlich im Wert gestiegen. Die weniger gute Nachricht: leider konnten wir keine neuen Werke für unsere Sammlung ersteigern. Schon zu behaupten, dass wir zu den „Unterbietern“ gehört hätten, wäre vermessen. Bei dieser Auktion nämlich wurden vollkommen neue Maßstäbe zur Bewertung wichtiger Zero-Künstler gesetzt. Insgesamt erzielten die knapp 50 Arbeiten aus der Sammlung des Ehepaares Anna und Gerhard Lenz, die früher im Kronberger Ortsteil Schönberg im Taunus gelebt haben, umgerechnet 26,2 Millionen Euro – und somit doppelt so viel wie erwartet. Vor allem der Endpreis von fast 940.000 Euro für ein Spitzenwerk von Günther Uecker versetzte das Parkett in Aufregung. Aber auch Otto Piene, Heinz Mack, Enrico Castellani, Jan Schoonhoven, Jesús Rafael Soto, selbst unbekanntere Zero-Künstler wie Christian Megert oder Herman De Vries erzielten Traum- und gelegentlich sogar Mondpreise.
Aber immerhin wurde einer der jüngsten Ankäufe des Städel Museums, der mit Hilfe des Städelkomitee 21. Jahrhundert getätigt wurde, durch diese außergewöhnliche Auktion als richtig und vorausschauend bestätigt. Ein Werk von Victor Vasarely – etwas größer als unser 2009 erworbenes Gemälde „Fugue“, aber zeitlich und stilistisch absolut vergleichbar – erzielte bei der Auktion den unglaublichen Preis von knapp 650.000 Euro. Dieser Preis liegt um ein Vielfaches über dem, den wir im Vorjahr auf der TEFAF in Maastricht, der wichtigsten klassischen Messe für Kunst und Antiquitäten, für unser Werk bezahlt haben.
Ob wir jetzt schon wieder auf eine neue Spekulationsblase zusteuern, wird sich zeigen. Offensichtlich ist aber, dass nicht mehr der Käufer, sondern der Verkäufer den Preis bestimmt. Der Traum von einem sich etwas abkühlenden Kunstmarkt, scheint ausgeträumt, zumindest was hochwertige, museumsreife Kunst angeht.
Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Kunst nach 1945







